2011- Das Jahr für Denk-Pioniere und Neues-Macher

F. Malik am Sonntag, 02.01.2011 um 16:46 Uhr
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Google bringt rund 33 Mio Nennungen für Inflation und nur gut 8 Mio für Deflation. Die meisten dieser 8 Mio verwenden das Wort „Deflation“ aber auch nur, um zu „beweisen“, dass es keine mehr geben kann. Selbst im Wiki-Fachbeitrag über Deflation dürfen wir lesen, dass eine solche für „eher unwahrscheinlich gehalten“ werde.
Die ökonomischen Überraschungen in 2011 werden daher umso dramatischer sein, wenn das meiste von genau dem passieren wird, was Mainstream-Ökonomen für unwahrscheinlich oder überhaupt für unmöglich halten.

Die umso grösseren Gewinner werden jene Unternehmer, Manager und Politiker sein, die das bisherige ökonomische Denken zügig über Bord werfen und neue Lösungen herbeiführen. Dies gelingt jenen, die mit den neuen Methoden der Kommunikation und Kybernetik die Mauern der Fachdisziplinen sprengen und die Krise in einem viel grösseren Zusammenhang sehen, wodurch dann plötzlich ganz neue Wege aus den Schwierigkeiten möglich werden.

Es sind Methoden für die Kreativitäts- und Intelligenzverstärkung, für das maximale Nutzen von Wissen und von Können und für die Mobilisierung von sozialer Energie. Grenzen und Gräben werden damit überwunden, aus Lethargie wird Zuversicht, und aus Angst wird Hoffnung. Diese Methoden sind so durchschlagend wirksam, dass viele es zwar nicht glauben können. Weitsichtige Pioniere fühlen sich erfahrungsgemäss aber in ihrem Streben nach neuen Lösungen umso mehr bestärkt
2011 ist das Jahr für Denk-Pioniere und für Neues-Macher.

Nicht wenige meiner Blog-, Mail- und Letter-Leser gehören auch dazu. Ihnen wünsche ich für 2011, dass Sie immer mehr solchen Menschen begegnen.

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6 Kommentare

  1. Sin

    Lieber Herr Malik

    Was halten Sie von der Ansicht eines weltweites Weimar-Szenario mit Hyperinflation wie im Deutschland der 20er und daran anschließender Deflation/Depression wie im Deutschland der 30er Jahre?

    Sie haben geschrieben, der Aktienmarkt und Goldpreis hat seinen höchsten Pegel erreicht und dass Anleihen und Bargeld, die logische Anlagewahl wären. Wäre Gold und Silber als Wertspeicher in einer Deflation Ihrer Ansicht nach wirklich so schlecht?

    Wie soll man sich als Privatmann angesicht einer solchen gewaltigen Liquiditätswelle durch die Notenbanken verhalten?

    So ziemlich jeder Börsenbrief und Anlageberater erzählt aktuell, dass man keinerlei Geldwerte halten soll und in Sachwerte und Substanzwerte umschichten soll. Würde man ihrer Überzeugung folgen, wäre jedoch Bargeld/Anleihen für die nächsten Jahre der perfekte Wertspeicher.

    Zumindest ist dies, die wohl im Moment an den Märkten und unter den Beratern unpopulärste Ansicht. Weshalb sie am Ende zutreffen könnte. Verlierer wäre dann in diesem Fall die Masse, die im Moment in die Sachwerte und Substanzwerte flüchtet. Zumindest sieht es so aus als würden dies alle tun. Man weiß es nicht.

    Was halten Sie von der von manchen verbreiteten Ansicht, dass Gold als Wertspeicher für beide Szenarien sowohl das einer Inflation, wie auch das einer Deflation geeignet wäre?

    LG
    Sin

    • Fredmund Malik

      Die Hyperinflation ist bereits hinter uns. Sie hat Berge von Schulden hinterlassen für wertlose Immobilien, überbewertete Aktien sowie Kommunal- und Staatsobligationen. Daher kommt nun die Deflation.
      Ich habe von Bargeld gesprochen, aber nie von Anleihen. Falls Sie Edelmetalle sehr früh gekauft haben (z. B. Gold bei 200 $ und tiefer), dann sind diese ein Wertspeicher. Zu den heutigen Preisen sind sie aber Verlustbringer.
      Die Liquiditätswelle der Notenbanken gibt es nicht, sondern eine Kreditbereitstellungswelle. Halten Sie Bargeld als Privatmann oder bezahlen Sie Ihre Schulden, falls Sie solche haben.
      Zu Börsenbriefen etc. will ich mich nicht äussern. Anleihen sind brandgefährlich, wenn sie kein Vollprofi sind.
      Die Masse tut immer das Falsche.
      Zum Gold nochmals: Ja, Wertspeicher für den schlimmsten Fall, aber nur wenn man es billig gekauft hat.

      • Sin

        Lieber Herr Malik,

        vielen Dank für Ihre Antwort.

        Wir hatten also in den letzten Jahrzehnten eine durch die Fed und die anderen Zentralbanken erzeugte Hyperinflation, welche sich in den diversen Anlagemärkten durch steigende Preise gezeigt hat und zu einem Meer von Überkapazitäten und Schulden geführt hat. Welche dann zu einer Deflation führte, die ungefähr im Jahr 2000 begonnen hat und seitdem in den diversen Anlagemärkten wütet und weiter wüten wird. Habe ich es so richtig verstanden?
        Im wesentlichen ja.

        Ich nehme an, wenn Gold als Wertspeicher inszwischen „zu“ teuer ist, für Silber dasselbe gilt?
        Ja. Würde allerdings über das Wochenende eine Währungsreform kommen, wäre auch zu teuer gekauftes Gold ein idealer Wertspreicher – falls, ja falls die Regierungen den Besitz von Gold nicht verbieten werden, was hochwahrscheinlich ist. In den USA war von 1933 – 1975 der Besitz von Gold verboten. Die Amerikaner mussten 1933 ihre Goldbestände für den Preis von rund 20$ abliefern. Danach wurde der Preis auf 35$ pro Unze angehoben. Weil die breite Bevölkerung ohnehin kein Gold hatte, gab es keinen Widerstand gegen das Gesetz. So wurden aber all die Klugen enteignet, die Gold als Wertspeicher erworben hatten.

        Was halten Sie von diesen historischen Vergleichen, die manche Edelmetallexperten anstellen?
        Sprich der Dow Jones ist solange zu teuer, bis man ihn für eine Unze Gold kaufen kann.
        Oder vom Gold-Öl-Ratio, sprich für wie viele Unzen Gold kann man ein Barrel Öl erwerben.
        Oder vom Gold-Silber Ratio….sind solche Vergleiche seriös und vernünftig?
        Solche Vergleiche geben ein Gespür für Wertrelationen. In Gold statt in Dollars bewertet ist der Dow Jones heute natürlich nur einen Bruchteil wert.

        Der Gedanke, dass alle Preise langfristig wieder zum Durchschnitt tendieren klingt für den Laien irgendwie recht überzeugend.
        Richtig, aber es ist eine Meinung, auf die ich keine Entscheidungen setzen würde, denn welcher Durchschnitt ist gemeint? Wichtiger und informativer ist, dass nach jedem Bull-Market die Preise dorthin zurückkehren, wo der Bull-Market begonnen hat. Beim Dow Jones war das – was wenige zu wissen scheinen – die Marke 1000 im Jahre 1982. Kaum einer der heutigen Banker war damals bereits im Amt oder am Trading Desk.

        Am Vernünftigsten wäre es also, Bargeld zu Hause aufzuheben und abzuwarten bis die Wolken sich verzogen haben. Als Schweizer ist das bestimmt praktikabel, als EU-Bürger hat man da allerdings schon wieder das Problem, dass man „kriminell“ ist, wenn man mit zu großen Bargeldmengen unterwegs ist.
        Richtig. Dann kaufen, wenn die Preise um 90% gefallen sind oder sobald es es nach einer allgemeinen Währungsreform zu riechen beginnt.

        Glauben Sie an den Fortbestand des Euros, Herr Malik?
        Der Euro kann zwar politisch umgebracht werden, aber nicht ökonomisch. Das derzeitige Gerede in den Medien auch von renommierten Ökonomen über den Euro halte ich für völlig verfehlt. Keines der Argumente hat mich bisher überzeugt. Dazu werde ich gelegentlich mehr schreiben.

        Liebe Grüße und noch ein frohes neues Jahr im Nachhinein.
        Sin

  2. Sebastian

    Auf meinem Iphone sieht dein Blog irgendwie komisch aus.
    wie sieht er denn aus .. ?

  3. oliver koepke

    Sehr geehrter Herr Malik,
    dass viele Werte in den vergangenen beiden Jahren massiv gefallen sind und man dies sicher schon als Deflation bezeichnen kann, scheint mir sinnvoll. Aber ob dies so weitergeht und bspw. den Aktienmarkt zum Einbruch bringt, scheint mir im Moment schwer vorstellbar. Worauf beruft sich Ihre Meinung zum Einbruch des Aktienmarktes genau? Ist es „nur“ die Wellentheorie, dass nach einer Krise erst ein Aufschwung folgt, bevor die echte Krise kommt? Oder gibt es hier noch weitere Argumente?
    Nur im herkömmlichen Denk-Kontext sind meine Szenarien schwer vorstellbar. Wenn man sich aber meinen System- und Kybernetik-Kontext aneignet, werden die Zusammenhänge glasklar und man versteht, was vorher unverstehbar war.

    Aktien scheinen mir teuer, aber ein Absturz des Dow Jones auf 1000 Punkte scheint mir unmoeglich. Bei einer kraeftigen Korrektur wuerden doch massive Kaeufe den Index stuetzen, oder?

    Die Verkaufskräfte sind um Potenzen stärker, weil sie von den existierenden Schuldenbergen getrieben sind, aber auch deshalb, weil man auf der Verkaufsseite viel schneller viel grössere Gewinne erzielen wird.

    Ich arbeite und lebe aktuell in Polen. Hier ist die Inflation ein Thema, zumindest wenn man auf die CPI-Daten schaut. Und die Menschen haben Angst davor. Deflation kennt man nicht. Die Zentralbank wird wohl demnaechst die Zinsen erhoehen. Ich halte dies fuer deutlich zu frueh und sogar gefaehrlich. Aber wie gesagt, Deflation ist hier kein Thema. Ueber eine kurze Antwort waere ich froh. Vielen Dank. Oliver Koepke

    Die Deflation kann man am CPI erst in einem (zu) späten Stadium erkennen. Man muss auf die Sachgüterpreise achten. Dazu habe ich in meinen Büchern und vor allem in den Management Lettern viel geschrieben. Im Web-Archiv finden Sie dazu Vieles. Gerade weil die Leute die Deflation nicht kennen, werden sie diese zu spät wahrnehmen. Eine Erhöhung der Zinsen führt natürlich unter den heutigen Bedingungen direkt in die Deflation bzw. verstärkt diese. Die herkömmlichen Massnahmen führen – wie das bei komplexen Systemen regelmässig ist – zum Gegenteil dessen, was man beabsichtigt.

  4. Eric Devan

    Sehr geehrter Herr Prof. Malik,

    für wie wahrscheinlich halten Sie das „Haircut“-Szenario, dass immer wieder aufgeworfen wird und in dem der Staat seine Schulden einfach mit einem Abschlag reduziert, der zu Lasten der Banken und der privaten Haushalte ginge, die Staatspapiere halten. Ist dies politisch überhaupt umsetzbar? Welche wirtschaftlichen Folgen wären Ihrer Einschätzung damit verbunden?
    Für viele Staaten wird das letztlich der einzige Ausweg sein, falls sie nicht neue Denkweisen und Lösungen anwenden. Man wird das aber erst spät machen und mittels Notrecht, denn vorher würden Regierungen das nicht überleben. Es ginge aber auch anders. Zum Beispiel können wir mit unseren modernen Problemlösungs-Verfahren dafür sorgen, dass öffentliche Organisationen doppelt so gut funktionieren mit der Hälfte des Geldes. Es sind unsere hochentwickelten sogenannten Syntegrations-Methoden, die bereits mehr als 500 mal mit durchschlagendem Erfolg angewandt wurden, darunter in einer hochverschuldeten bayerischen Stadt. Mehr finden Sie auf unserer Homepage.

    Herzlichen Dank für Ihre Antwort im Voraus.

    Des Weiteren möchte ich Ihnen großes Lob zollen. Sie sind ein Lichtblick in diesen Zeiten, in denen Management, Politik und Medien völlig versagen.