Frage an die Inflationisten

F. Malik am Samstag, 30.07.2011 um 20:36 Uhr
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Frage an die Inflationisten
Zur Bekämpfung der Schuldenkrise und Vermeidung einer Deflation werden Notenbanken und Regierungen Inflation erzwingen und dafür unbegrenzt Geld drucken. Mit Variationen lautete so die Grundposition der Inflationisten.

Frage: Wieso drucken dann die Regierungen der Schuldnerländer nicht einfach Geld? Warum verhandeln sie statt dessen mit höchst zugeknöpften Partnern, um Kredite zu erhalten. Warum lassen sie sich Spar-Programme aufzwingen, die ihre Länder in die Knie zwingen und ihre Bevölkerungen in die Revolution oder Resignation? Warum drucken sie nicht einfach Geld?

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8 Kommentare

  1. Franz Huber

    Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
    Hier meine 5 Cent:
    – Weil sie erst versuchen Geld zu „drucken“ (Verwaesserung der Waehrung ueber neue Schulden natuerlich), wenn es anders nicht mehr geht. Geldwertstabilitaet gibt man nicht so einfach auf.
    – Wenn die Probleme wie heute immer groesser werden, und man vor US-Wahlen und dem Zusammenbruch des Euros steht, versuchen Politiker/Notenbanker die Probleme noch etwas in die Zukunft zu schieben, z.B. mit quantitative easing.
    – Langfristig wird dies jedoch das Problem nicht loesen koennen. Die Glaeubiger werden es nicht ewig akzeptieren, und die Schuldensystem kann dann sehrwohl in einen deflationaeren Schock zusammenbrechen.
    – Wann genau so ein deflationaerer Schock kommen wird, laesst sich m.E. schwer prognostizieren. Ihre Prognose einer baldigen Deflation koennte zutreffen, es koennte aber auch noch ein paar Jahre „Durchwurschteln“/“muddling through“ angesagt sein. Ich bin gespannt, was passiert…

    • Fredmund Malik

      Das globale System ist in einer grossen chaotischen Transitionsphase, die wegen ihrer Komplexität unberechenbar und unvorhersagbar ist. Dennoch lassen sich „Felsen“ in der Brandung erkennen, und diese geben der Brandung spärliche Muster. Einer der Felsen heisst „Schulden“. Ein anderer heisst „Querschnittslähmung“ von immer mehr systemrelevanten Organisationen. Ein muddling through ist zwar noch eine Zeitlang möglich, aber ein dritter Felsen heisst „running out of time“. Andererseits gibt es neue Methoden. Wenn ich im Helikopter bin, sehe ich die Brandung anders als der Küstenfischer.

  2. Stefan Ludwig

    In der ebenfalls sehr interessanten Internetseite von Nouriel Roubini Project Syndicate gibt es einen Beitrag
    „Chinas schlechte Wachstumswette“. Darin wird erläutert warum China höchstwahrscheinlich ca. 2013 eine
    „harte Landung hinlegt“. Wesentliches Argument durch hohe Sparraten zu hohe Investitionen und zu starker Ausbau von Produktionskapazitäten hohe Überkapazitäten und dann geht’s runter.

    Die Jahreszahl paßt zu den Einschätzungen von Herrn Malik (Deflation ca. 2014-2016)

    Roubini vergleicht für seine Analysen historische mit aktuellen Entwicklungen. Dabei kann man Ähnlichkeiten entdecken.

    Herr Malik, Sie sind auch in China aktiv. In wie weit ist sich denn die chinesische Führung dieser Problematik bewusst und steuert evtl gegen?

    • Fredmund Malik

      China unternimmt grosse Anstrengungen um zu klaren Analysen zu kommen, die sich vom allgemeinen Medien-Mainstream unterscheiden. Meine eigenen kritischen Vorträge zum US-Wirtschaftszustand und zur US-Corporate Governance, die als wesentliche Ursache für die Krise sehe, stossen seit Jahren auf grosses und wachsendes Interesse.

  3. Peter Unterluggauer

    Aus meiner Sicht werden diese Fragen zu sehr wirtschaftsorientiert diskutiert und die Machtpolitik wird vernachlässigt. Man sollte das Gesamtsystem beurteilen.

    Die Machteliten des Westens und China sind primär am Machterhalt interessiert. Sind die Machtpositionen durch Wirtschaftskrisen extrem gefährdet, so werden auch grundlegende Spielregeln von Wirtschaftssystemen geändert. Dann ist es durchaus denkbar, dass der USA-Staat selbst Geld druckt, od. die Notenbank direkt Kredite mit Niedrigzinsen an die USA vergibt, ohne die Banken mit Gewinnen zu beteiligen.

    Sind die Machtpositionen nicht gefährdet, so kann man Wirtschaftskrisen zuzulassen und nicht eingreifen. Insbesondere dann, wenn Wirtschaftskrisen zu Vermögens- und Machtsteigerungen der Eliten führen. Das Wohl der Bevölkerung ist sekundär. Dies ist derzeit wahrscheinlich der Fall.

    Dies gilt zumindest solange, wie diese Machteliten funktionieren. Und ich sehe nicht, dass die westliche od. chinesische Machtelite mit ihren Großorganisationen so geschwächt sind, dass sie sich nicht mehr organisieren können. Hier ist sehr viel politisches Theater.

    Auch die Unterschiede zu den 30er Jahren werden nicht thematisiert:
    Damals ging es um einen Wirtschaftskrieg zwischen den Westmächten USA und Großbritanien, den Großmächten in Europa und Asien, wie China und dem Aufstieg des Westens. China und die Großmächte Festlandeuropas waren bereits stark geschwächt.

    Heute geht es um den Machterhalt der führenden Weltmacht USA, bzw. dem Westen.
    Und um die Festigung und den Aufstieg der Weltmacht China.

    Den Wirtschaftskrieg mit höchsten Einsätzen zwischen den USA und China sehe ich noch nicht.

    • Martin Kramp

      Hallo,
      zum Gesamtsystem gehört aber auch die Frage nach der dem Gesamtprozeß der sogenannten „Globalisierung“ zugrundeliegenden Strategie. Sie wird bisher von fast allen Diskutierenden teils aus Unkenntnis teils aus Kenntnis der Gefährlichkeit ihrer öffentlichen Benennung oder auch weiteren Gründen ausgeblendet.

      Aber erst dann, wenn man den „Feind“ sicher und exakt sichtbar geortet hat, kann man einen sinnvollen Kommentar abgeben. Hier liegt die Krux. Wir haben es offenbar mit einer Großmacht zu tun. Denn professionelle Kenner der historischen Zusammenhänge und Hintergründe glauben nicht an das Märchen vom allgegenwärtigen Zufall oder der Unfähigkeit der Verantwortlichen in sämtlichen betroffenen Systemen: Banken, Konzerne, Regierungen, Parlamente, Parteien, Kontrollbehörden, Gerichte, Staatsanwaltschaften, kommunale und soziale gesellschaftliche Organisationen, Strukturen und Entscheidungsebenen… Überall systematischer Gehirnschwund, Dilletanz und Alzheimer…?

      Wenn man diese „Beteiligten“ am globalen Szenario alle in eine Richtung – nämlich in Richtung Crash und CHAOS schubsen und pressen will, dann muß man entweder gigantische Bestechungssummen einsetzen oder anderweitig z. B. durch ideelle Übereinstimmung der Interessenlage, subtile Erpressungsmethoden oder Bedrohungsmittel im großen Stil zumindest die wichtigen Personen der allgegenwärtigen „top down – Systeme“ dazu bringen, in diesem Unternehmen mit dem Geheimcodenamen „Zerstörung der Basis aller Nationalstaaten“ die Plätze einzunehmen und Beteiligter zu sein.

      Schaut man von außen auch nur oberflächlich, so gewinnt man genau diesen Eindruck. Bemüht man sich aber gezielt um ein tieferes Verständnis der Sachbezüge, dann kommt man zu erstaunlich klaren Bildern, was die inneren Zusammenhänge und die roten Fäden mit den daran hängenden Personen angeht. Man findet hunderttausende Mitglieder geheimer und ultrageheimer Organisationen, militärisch-religiöser Orden, militärisch-religiöser Thinktanks, religiös-politischer Konzile, strategischer Planungszentren für Subversion und Bevölkerungskonditionierung etc.

      Man kann mit Recht sagen: Herr vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun! Es ist ihr ureigenster Plan der Zerstörung und Kriegsführung mit anderen, aber sehr effektiven Mitteln. Und dafür muß man alle Beteiligten sowie die Papstritter vor ordentliche Gerichte stellen.

      Daß dieser Punkt der Gegenwehr vom Volk praktisch nicht umgesetzt werden kann, da allein die momentan vorhandenen „Untersuchungsbehörden“ diesem weltweit verdeckt agierenden religiösen Syndikat in keinster Weise das Wasser reichen können oder einzelne Personen selbst tief mit involviert sind, ist praktisch das Scheunentor zur Beraubung und Versklavung der Völker weit geöffnet.

      Das was die Jesuiten mit dem Vatikan gemeinsam in Jahrhunderten gegen die uns von unserem Schöpfer gegebenen persönlichen Freiheitsrechte der Menschen etabliert und in Stellung gebracht haben, kann man schon allein auf Grund der Gesetze der Physik und Mathematik nicht in Rekordzeit aus der Welt schaffen. Dem steht unter anderem auch die Massenträgheit entgegen…;-)

      Die gute Nachricht: Der Schöpfer des Universums wird Gericht halten und die Hure Babylon, die alle Völker der Welt verführt hat, wird gerichtet und zerstört werden. Zum Schluß wird auch das Tier (Papsttum nach Dr. Martin Luther), der Drache (Satan) und selbst der Tod und sein Totenreich ausgerottet.

      Auf der neuen Erde brauchen wir kein Geld mehr…;-)

      Lieben Gruß an alle!

    • Fredmund Malik

      Immer mehr Menschen zu befähigen, Systeme als Ganzes zu verstehen, ist einer der Zwecke dieses Blogs, dessen Grundlage meine Ganzheitlichen systemkybernetischen Management Systeme sind. Gerade eine Systemanalyse zeigt aber, dass ohne funktionierende Wirtschaft heute die Macht nirgends mehr in der heutigen Form zu halten ist. Unter den heute gegebenen Umständen ist eine Lösung durch Geld drucken billige Kredite nicht mehr möglich, denn diese sind ja gerade die Ursache der gegebenen Krise. Mancherorts ist man sich darüber im klaren, und daher sind die Wirtschaftskriege längst im Gange, wozu u.a. sowohl der Irakkrieg als auch der Afghanistankrieg gehören.

  4. Peter Unterluggauer

    Die Politik des billigen Geldes für falsche Investitionen und falschen Konsum ist sicherlich eine wichtige Krisenursache. Dazu kommen aber noch zahlreiche weitere Fehlkonstruktionen und -entwicklungen der sogenannten liberalen amerikanischen Marktwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte, wie sie öfter diskutiert werden.

    Demokratie nach Schweizer Verständnis basiert sicherlich auf einer leistungsfähigen Wirtschaft und ich erwarte auch, dass eine Krisenwirtschaft diese Demokratien und westliche Gesellschaftsstandards massiv gefährdet. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass westliche Eliten diesen Abbau od. Restrukturierung auch wollen. Höhere Produktivität bedeutet oft nur ein mehr an chinesischen Arbeitsverhältnissen.

    Ich habe bereits vor zehn Jahren vermutet, dass die amerikanische und europäische Wirtschaftspolitik uns früher oder später ein südamerikanisches Gesellschafts- und Wirtschaftssystem bescheren wird, mit einer schmalen Oberschicht und einer breiten Armutsbevölkerung. Auch ein chinesisches od. russisches Demokratiemodell ist vorstellbar. Auch diese Systeme könnten sich stabilisieren und sehr lange bestehen.

    In der Krisensituation macht es wenig Sinn die Zinsgestaltung dem freien Markt zu überlassen und die Krise mit astronomischen Zinssätzen, wie mit einem Brandbeschleuniger zu verschärfen. Wirtschaftstheoretiker wollen angeblich bis heute nicht begreifen, dass das freie Marktsystem für die Lösung derartiger Krisen vollkommen ungeeignet ist. Feuerwehren funktionieren im Brandfall auch nicht wie der freie Markt. Sind Staaten wie Griechenland massiv gefährdet, wird im Untergang noch schnell Kasse gemacht anstatt das freie Marktspiel rechtzeitig zu beenden. Dies führt in der Regel zu einer wesentlichen Erhöhung der Sanierungskosten. Natürlich ist dies gut für die Großbanken und die griechischen Milliardäre, wenn sie genug Zeit haben um aus ihren Investments auszusteigen. Und dies ist auch der Hauptzweck der ideologisch geführten Diskussionen über die Unantastbarkeit der liberalen Marktwirtschaft.

    Zur Beurteilung der Wirtschaftskrise und der Systemmechanismen muss man zwischen den Machtzentren USA, China, etc. und weniger bedeutenden Staaten unterscheiden. Den Großmächte haben völlig andere Gestaltungssmöglichkeiten gegenüber ihren Gläubigern als beispielsweise Griechenland – und sie werden diese bei ernsten Bedrohungen nach meinen Erwartungen auch nutzen.