Steven Jobs – Management ganz anders

F. Malik am Montag, 10.10.2011 um 9:40 Uhr
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Einer der entscheidenden Faktoren für Steven Jobs mehrfachen Erfolg ist der Umstand, dass er nie eine Business School besucht hatte. So konnte er  ohne Verbildung und „Mental-Pollution“ all das vermeiden, was in den Lehrbüchern steht  und all das tun, was dort nicht steht. Das hat ihm auch geholfen, mehr als 10 Jahre miserable Börsenperformance durchzustehen. Die Börse war ihm im Grund schnurz…

Wie es nach ihm weitergeht, ist allerdings schwer zu sagen, denn seine Zeit war vielleicht zu kurz, um für eine wirklich tragfähige Nachfolge zu sorgen, obwohl es zur Zeit positiv aussieht.

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14 Kommentare

  1. Elmar Hinz

    Sehr geehrter Herr Prof. Malik,

    Steven Jobs mag „gut gemanaget“ haben, aber gleichzeitig ist sein Unternehmen in den letzten Jahren mehrfach in massive Kritik geraten wegen tlw. sehr unwürdiger Arbeitsbedingungen und Umweltschutzmassnahmen in der Zulieferkette. Apple hatte wohl wiederholt „Besserung“ zugesagt, lt. aktuellen Medienberichten hierbei aber noch kaum echte Besserung umgesetzt.
    Kann so etwas in letzter Konsequenz tatsächlich im „Sinne des Kunden“ sein, den Sie ja zurecht sehr betonen? Und müsste solches Fehlverhalten vor dem Hintergrund einer komplexen vernetzten Welt nicht auf das System „zurückschlagen“? (Sie hatten ja selbst kürzlich hier im Blog die Zusammenhänge von Ursache, Wirkung und entspr. „Rückkopplungen“ besprochen.)
    Müsste sich „echter“ Customer Value also nicht auch an ganzheitlichen (sozial+ökologisch) Kriterien messen anstatt „nur“ an technischen Innovationen, so attraktiv die im Falle von Apple auch sein mögen?
    Beruht somit der kommerzielle Erfolg von Jobs mehr auf „Hype + Kult“ als auf „anständigem“ Customer Value?

    Für Ihre Einschätzung und Ihre Antwort bereits besten Dank!
    MIt freundlichen Grüßen
    Hinz

    • Fredmund Malik

      Die Probleme, die es in China mit der Produktion gibt, sind mir bekannt, und diese müssen dringend gelöst werden, unter anderem aus den Gründen, die Sie aufführen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Arbeitsbedingungen in China auch dann vorerst nicht viel anders würden, wenn Apple die doppelten Preise oder mehr bezahlen würde. Selbst wenn Apple überhaupt nicht mehr in China produzieren würde, wäre dem Land und seinen Menschen damit nicht geholfen, sondern geschadet.

      Hype und Kult spielen für den Apple-Erfolg auch eine Rolle, aber Jobs hat eben schon einen besseren funktionalen Approach beispielgebend vorgelebt, als andere, die ihn natürlich jetzt kopieren. Hype und Kult spielt auch bei Autos und vielen Markenartikeln eine Rolle. Das hat mit den Gesetzmässigkeiten menschlicher Kommunikation zu tun.

      • Elmar Hinz

        Sehr geehrter Herr Prof. Malik,

        danke für die prompte Antwort, der ich gerne noch zweierlei hinzufügen möchte:

        ich weiß nicht genau, was Sie in diesem Zusammenhang mit den „Gesetzmäßigkeiten menschl. Kommunikation“ meinen, aber sicherlich ist es so, dass der Mensch stets nach Identität strebt und diese auch ausdrücken möchte. In diesem Sinne folgt die Vorliebe (oder Ablehnung) best. Artikel und Marken auch dem (übrigens überlebenswichtigen) „Identitäts-Drang“ menschlichen Daseins.
        Dies ist zunächst weder gut noch schlecht sondern einfach nur höchst menschlich!
        Problematisch, auch im unternehmerisch-wirtschaftl. Sinne, wird dies aber dann, wenn Image bzw. „Hype+Kult“ eines Produktes mehr künstlich aufgebaute Fassade ist und dahinter sich „Abgründe“ auftun; sei es nun ein Abgrund mieser Qualität (etwa bei einer Ware mit Premium-Image) oder eben der Abgrund „unethischer“ Fertigungsprozesse.

        Ein wenig für ein „Totschlag-Argument“ halte ich Ihre Ansicht, dass es auch nicht hifreich wäre, würde Apple zu anderen Kondtionen oder gar nicht in China produzieren: könnte man damit letztlich nicht nahezu jedwede Form von soz. oder ökolog. Ausbeutung „entschuldigen“?

        Beste Grüße
        Hinz

        • Fredmund Malik

          Ich stehe nicht im Ruf, den Schein der Substanz vorzuziehen. Dennoch ist z. B. die Mode-Welt eher eine Fassade, genauso wie die Unterhaltungsbranche oder Spielcasinos. Dennoch oder gerade deshalb hat es sie immer gegeben. Menschen wollen anscheinend manchmal auch betrogen werden.
          Mit dem China-Argument „entschuldige“ ich Apples China-Produktion nicht und ich will sie auch nicht rechtfertigen, dennoch weise ich darauf hin, wie wenig eine einzelne Firma in diesem System vorläufig bewirken kann, das die ultimative Übertreibung des Shareholder-Kapitalismus ist.

          • Matthias Röderstein

            Ähnlich wie Herr Hinz halte ich Ihre Aussage zu Apples Produktion in China für ein „Totschlagargument“. Und zwar nicht, weil man damit nur jegliche Form unternehmerischen Verhaltens rechtfertigen könnte. Sondern weil es für mich fundamental gegen ein ganzheitliches Verständnis einer Welt und eines Wirtschaftens in Wechselwirkung argumentiert. Jedwede Handlung ist auch wieder Ursache für anderes. Und dabei macht es grundsätzlich keinen Unterschied in welchem System diese Handlung vollzogen wird – allerdings für die Auswirkung und Reichweite.

            Welchen Effekt genau nun eine andere Lieferkette der Apple-Produkte hätte, kann ich natürlich auch nicht sagen. Ihren Verweis auf Apple als „einzelne Firma“ nehme ich mit einem leichten Schmunzeln auf. Wenn ich die Anzahl der Firmen als alleiniges Kriterium nehme, dann stimmt die Aussage zwar. Jedoch sind Sie zu sehr Profi, dass Sie nicht auch mit Marktanteilen, Innovationen, der Strahlkraft der Vision, Vorbildfunktion und anderen Kriterien argumentieren könnten. Jeder aus der Branche läuft Apple hinterher. Er ist DER Innovator.

            Um ein System zu ändern bzw. zu „kippen“, müssen sich nicht 100% der Teilnehmer und Teile ändern.

            • Fredmund Malik

              In gewissen Punkten haben Sie schon Recht. Ich weiss aber nicht, was mit dem Argument „totgeschlagen“ werden sollte.
              Ich spreche davon,dass die Probleme zuallerst in China selbst gelöst werden müssen, worüber sich die Chinesen auch im klaren sind und daran arbeiten. Wenn Apple sich demonstrativ aus China zurückzöge, würde das vielleicht eine Zeitlang Eindruck machen. Aber sie würden auch einen wichtigen Markt verlieren, denn die Chinesen lieben Apple-Produkte. Diese komplexen Entscheidungen kann, falls überhaupt, nur Apple selbst überblicken.

  2. Florian Linse

    Apple über den Zenit?
    Es geht mir nicht um eine Kritik an Steve Jobs, der ohne Frage Hauptanteil an der fulminanten Entwicklung Apples trägt und Ihre Einlassungen in Bezug auf ihn treffen sicher zu. Ich benutze nun seit sicher 20 Jahren Apple-Computer. Bis vor einigen Jahren wurde ich dafür eher belächelt und Computer waren auch noch keine Life-Style-Produkte. Ich benutzte sie also wirklich, weil sie für mich die besseren Computer waren. Damals ging es Apple wirtschaftlich eher schlecht.
    Ich stelle nun aber seit einigen Jahren fest, dass die Qualität sowohl der Hardware aber besonders der Software abnimmt (ich meine damit natürlich auch die „Gesamtgenialität“), der Wert für mich als Kunde nimmt ab. Der wirtschaftliche Erfolg Apples ist jetzt aber umwerfend. Könnte man sagen: Apple ist von einem Hersteller qualitativ hochwertiger Produkte für anspruchsvolle Kunden zu einem Massenhersteller geworden? Als dieser ist die Firma nun sehr profitabel. Als „anspruchsvoller“ Kunde, durchaus auch ganzheitlich betrachtet wie Elmar Hinz im vorherigen Post es beschreibt, wendet man sich nun ab. Muss die Entwicklung gezwungenermassen so sein?

    • Fredmund Malik

      Die anderen holen auf. Es kann gut sein, dass Steven Jobs Abtritt und Tod am Zenith von Apple kommt, aber weniger wegen ihm, sondern weil Apple, genau wie andere Firmen von der Deflation erfasst und zusammengeschrumpft wird. Jobs wird dann noch glanzvoller in Erinnerung bleiben, so wie J. F. Kennedy. Besonders dann, wenn seinem Nachfolger nichts besseres einfällt, als seine öffentlichen Auftritte zu kopieren. Das ist die schlechteste Strategie, die es gibt.

  3. Franz Posa

    Sehr geehrter Herr Malik, Steve Jobs hat schon in den frühen ’80 erkannt, dass eine Marke nicht mehr nur ein Produkt sein konnte. Die Gesellschaft brauchte schon damals etwas mehr, oder etwas was die schwindenden Werte und Traditionen ersetzen könnten. (V. Frankl und I. Eibl-Eibesfeld lassen Grüssen).

    Apple’s „think different“ bedeutet das status quo zu brechen, den funktionalen Approach von einer anderen Sicht zu erfassen. Die Marke ist eine Idee. Und als solche kommt sie eben erst zum Leben wenn ein Kunde sie mental erschliesst. Die Marke ist deshalb nicht mehr ein Eigentum des Unternehmens, sondern des Kundens. Das bedeutet dann auch, dass das brand management ganz anders aussehen muss und man natürlich auch mit viel mehr Varietät auskommen muss. Apple hat sich immer treu an, wie sie so schön sagen, das originäre invariante Kundenproblem gehalten, 30 Jahre lang. Ausser –die Ausnahme bestätigt die Regel– die Zeit von John Scully. Viele Unternehmen sollten sich darüber Gedanken machen, es kostet kein Geld anders zu denken. Liebe Grüsse.

    • Fredmund Malik

      Besten Dank, Herr Posa, Sie haben Recht, und es freut mich besonders, dass Sie selbst in Gälweiler – Kategorien denken.

  4. Thomas Moroder

    Auch dieses Zitat von Facebook-Gründer Zuckerberg ist erstaunlich:

    „We don’t build services to make money; we make money to build better services,“ Mr. Zuckerberg wrote. „These days I think more and more people want to use services from companies that believe in something beyond simply maximizing profits.“

    • Fredmund Malik

      Ich verstehe nicht genau, was er nun tatsächlich gesagt hat.
      Zuerst muss er wohl Services anbieten, bevor er Einnahmen haben kann. Und dies setzt
      sich ständig fort, denn ohne immer bessere Services werden seine Einnahmen rasch zurück gehen.
      Der zufriedene Kunde ist der Fixstern für die Unternehmensführung.

      • Thomas Moroder

        Ich habe den Kommentar von Herrn Zuckerberg in den IPO-Papieren so verstsanden, dass er damit zum Ausdruck bringen will, dass er seine Firma nicht auf Gewinnmaximierung fixiert hat, also sein Unternehmen Facebook nicht primär dafür da ist, Gewinn zu schäffeln, sondern um zufriedene Kunden zu schaffen (für Facebook bedeutet das, Usern bei der Kommunikation zu helfen).

        Bei Internet-Firmen ist es tatsächlich so, dass diese dank Risikokapitalgeber sich zuerst nur darum kümmern können, maximale virale Ausbreitung (=Markt-Anteil) und Kunden-Zufriedenheit zu schaffen und erst wenn das geschafft ist, sich um die Einnahmen kümmern müssen.

        In diesem Sinne haben einige der Unternehmen, die durch das Risikokapital aufgepeppelt wurden, genau Ihre Startup-Strategien durchgezogen.

        Ich fand das Zitat nur interessant, weil auch Zuckerberg Management mal anders zu betreiben scheint!

        • Fredmund Malik

          Wenn es so zu verstehen ist, entspricht das meiner Auffassung von richtiger Definition des Unternehmenszwecks.
          Am Börsengang werden übrigens die meisten Leute extrem viel Geld verlieren, nicht gewinnen. …