Aufkommende Ahnungen…

F. Malik am Dienstag, 29.11.2011 um 1:00 Uhr
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Dem heutigen OECD-Bericht ist erstmals seit Ausbruch der Krise zu entnehmen, dass die Damen und Herren Mainstream-Ökonomen von einer ersten Ahnung beschlichen werden, vor welchem Abgrund die Welt steht.

Die Naivität einer Mehrheit der Ökonomen in Wirtschaftsfragen ist unbeschreiblich. Viele Poster hier im Blog geben den Politikern die Schuld, aber nur selten wird auch nach ihren Ratgebern gefragt, die klug reden, aber nie die Verantwortung tragen müssen.

Es gibt weltweit vielleicht ein Dutzend Ökonomen, die den Durchblick haben bzw. nahe daran sind. Die fortschreitende Krise ist ihre grosse Stunde.

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53 Kommentare

  1. Jürgen Clasen

    Befragt man einen Ökomonen, hat man am Ende drei Meinungen. Es wird insbesondere Zeit für einen Wechsel
    in der Öffentlichkeit und da sind Sie, Herr Prof. Malik gefordert! Nicht ein Dirk Müller oder eine Anja Kohl erklären den Leuten wie die Finanzwelt tickt, sondern Sie Herr Prof Malik und ein Herr Prof Gunnar Heinsohn zum Beispiel.
    Vermutlich werden sie geschnitten, weil sie nicht ins erwünschte Bild passen. Dieses sieht so aus:
    Es gibt Probleme, aber wir arbeiten daran und alles wird gut. Eure Sparanlagen sind garantiert und alle kommen
    in den Himmel…

    • Karsten Gorbach

      Herr Clasen,
      die Kompetenz von Malik in makroökonomischen Fragen kann ich nicht beurteilen. Warum plädieren Sie aber für Heinsohn ? Ich habe aufgrund Ihres Postings mal den MOM Letter 6/00 gelesen. (siehe malik-Seite) Dort versucht Heinsohn den Zins aufgrund einer „immateriellen Eigentumsprämie“ zu erklären. Richtig erklären kann er es allerdings nicht, denn es bleibt offen worin nun wirklich der Verlust des Geldemittenten (in seinem Beispiel Bauer A) bestehen soll. Ferner müsste der Schuldner für die Blockierung seines Eigentums (seines Pfandes) doch ebenso einen Zins verlangen ?
      Auch werden im heutigen zweitstufigen Bankensyst. ständig Gelder ohne Sicherheiten emittiert und Kredit ohne nennenswerte Sicherheiten ausgereicht. Mit der gleichen Begründung kann auch jeder Arbeitnehmer Zins verlangen. Warum ? Weil er ja auch ein immaterielles Eigentumsrecht an seiner Arbeitsleistung hat und dieses Eigentum bei Aufnahme einer Anstellung ebenfalls blockiert. Banken akzeptieren schliesslich auch die Arbeitsleistung als Sicherheit. Die Theorien von Heinsohn geben also nicht viel her. Warum der hier so angebet wird, ist ein Rätsel. (Vergleiche auch Kritik von Prof. Otte)
      Karsten Gorbach

      • Fredmund Malik

        Vielleicht wollen Sie von Heinsohn mehr lesen .. um besser zu verstehen. Herr Otte brauchen wir dazu nicht.

        • moneymind

          Heinsohn zu lesen lohnt sich sicherlich. Man muß allerdings Herrn Gorbachs Hinweis auf H’S falsche Zinstheorie noch hinzufügen, daß Heinsohn die entscheidenden Zusammenhänge der Geldwirtschaft nicht begriffen hat:

          Genauer ausgeführt sind einige der Punkte hier:

          http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=242598&page=0&category=0&order=last_answer

          Heinsohns Interpretation des Leveraging der Banken (Eigenkapitalquoten von weit unter 100%) als „Verletzung von Bankregeln“ zu deuten, zeigt Heinsohns Ahnungslosigkeit in Bezug aufs Bankgeschäft. Das Steuart-Zitat, das er in seiner „Antwort auf StefanB“ als „Beleg“ seiner Ansicht anführt, besagt das genaue Gegenteil von Heinsohns Meinung: daß bei kreditärer Geldschöpfung das Bankkapital bestenfalls als subsidiäre Sicherheit dient, die eigentliche Sicherung des Geldes jedoch im haftenden Eigentum des Kreditnehmers besteht, das -ebenso wie das Bankkapital – als nominell variables Vermögen in Geld bewertet wird und daher keine absolute Sicherheit liefern kann.

        • Karsten Gorbach

          …. sehr geistreiche Antwort. Ihr permanenter Bezug auf Heinsohn passt natürlich gut zu Ihrer Deflationstheorie -> Geld abgeleitet von Eigentum, Sicherheitenstellung, Kredite werden gekündigt, Sicherheit neu bewertet etc. -> Preise gehen in den Keller = Deflation.
          Träumen Sie weiter !
          Karsten Gorbach

          • Wolfgang Kirchner

            Ich denke, dass die Ansicht von Malik/Heinsohn was die derzeitige Situation (Alte Welt) betrifft voll zutrifft (derzeit ist die Situation eben so, dass Schuldner/Arbeitnehmer keine Zinsen verlangen können). Viel Interessanter ist allerdings wie eine langfristig funktionierende Ökonomie aussehen müsste (Neue Welt). Da muss es (aus mathematischen Gesichtspunkten) ein Zins(eszins)verbot (Islam), Schwundgeld o.ä. geben, damit das „Geld“ immer an Leistungen/Waren gekoppelt ist und sich nicht „verselbständigen“ kann – nicht das Mittel zum Zweck wird. Das ist meine Laiensicht – wie sehen Sie das?

            • Fredmund Malik

              Dazu habe ich bereits Antworten auf diverse Postings gegeben. Bitte benutzen Sie die Suchmaschine.
              Hier nur kurz: Ohne Zins gibt es keine Wirtschaft. Aber aus Zins muss nicht Zinseszins entstehen, denn dieser ist das Problem, nicht der Zins selbst.

          • Fredmund Malik

            Sicher werden Sie auch schon bald die Argumente für Ihre so klare Meinung nachreichen.

  2. Robert Baumann

    Sehr geehrter Herr Prof. Malik,

    bereits lange vor dem Crash im Jahre beschlich mich die Ahnung, daß die Ökonomen dieser Welt wenig Ahnung von ihrem Forschungsgegenstand haben können. PCM half mir dabei klarer zu sehen. Leider schreibt er nichts mehr. Hat
    er resigniert angesichts der Verlogenheit dieser Welt? Wobei die Staaten dieser Welt (die Schweiz nicht ganz so hemmungslos) sich Tag für Tag als die größten Betrugsorganisitionen betätigen, gelenkt und geleitet von Politikern,
    die auf dem Niveau von Kleinkindern der Vorstellung anhängen, Geld sei ein Tauschmittel. Dabei freilich können
    sie sich auf die Expertise von sog. Experten stützen, wie z.B. Otmar Issing, der schon auf der ersten Seite seines
    Leeerbuches (für Studenten) „Einführung in die Geldtheorie“ von diesem ewig wiederholten Quatsch faselt. Prof.
    Issing war bis vor kurzem führendes Mitglied der EZB. Was soll man da noch erwarten???
    Viele Grüße aus einem nebelverhangenen Nürnberg
    R. Baumann

    • JBe

      Nach meiner Vorstellung gilt hier eine Relativität, analog dem Einfluss der Gravitation und der elektrischen Kräfte auf die Bewegungen der Materie. Dort kommt es auf ihre Verhältnisse, praktisch auf die Entfernung.

      Solange es finanziell nicht nah an die Substanz, Glaubwürdigkeit, Liquidität der Wirtschaftssubjekte kommt, ist Geld ein Tauschmittel.
      In den anderen Fällen sind Heinsohn & Co. näher an der Wirklichkeit.

      • Fredmund Malik

        Geld war nie ein Tauschmittel, so wie keine Wirtschaft je auf Tausch beruht hat. Dafür haben Heinsohn und Steiger die überzeugenden Argumente vorgelegt, die bisher niemand widerlegt hat. Ja, vor ihnen hat man diese Fragen nicht einmal ernsthaft untersucht, sondern ist den herrschenden Annahmen blind nachgelaufen.

        • Stefan B

          Sehr geehrter Herr Prof. Malik, liebe Leser,

          wenngleich Heinsohn und Steiger vielleicht bislang nicht widerlegt wurden und auch wenn ihre Eigentumstheorie des Wirtschaftens grundsätzlich die systemischen Eigenschaften von Geld und Kredit richtig beschreibt, so beinhaltet diese Theorie dennoch mindestens drei zentrale Irrtümer, die ich ad hoc und in Kürze nennen darf:

          1. Das Geld war keine logische oder historische Folge des Eigentums. Vielmehr war die rechtliche Konstruktion des Eigentums ein Derivat des zuvor verliehenen Geldes – nämlich eine Rechtsfigur, die es ermöglichte das Eigentums vom Besitz zu trennen, damit die 1. Verpfändung der und 2. die Zwangsvollstreckung in die gestellten Sicherheiten (Grund und Boden) möglich wurde.

          2. Der Versuch einer Erklärung oder Rechtfertigung des Zinses als Eigentumsprämie (= Kompensation des Gläubigers für die Belastung/Blockierung seines Eigentums für die Dauer der Geldemission) ist nur dann zutreffend, wenn man unterstellt, dass Banken Kredite nur in Höhe ihres vorhandenen Eigenkapitals schöpfen würden (also nicht etwa 50-faches Leveraging!).

          3. Heinsohn und Steiger arbeiteten nach dem Stand der „Wissenschaft“, wie ihn etwa Issing repräsentierte. Folglich unterstellten sie, dass die Geldschöpfung nach dem Prinzip der multiplen Kreditschöpfung mit Bruchteilsreserve funktioniere. Auch wenn sie die Theorie endogenen Geldes von einigen Mitautoren englischsprachiger Werke kennen, wurde ihre Theorie bislang nicht dahingehend modifiziert und Herr Heinsohn zieht – in den hier verlinkten Artikeln „Zukunft der Finanzkrise“ – durchaus nicht nur richtige Schlüsse.

          Gleichwohl bieten Heinsohn und Steiger, liest man sie etwa zusammen mit dem hier erwähnten Steve Keen, eine weitgehend viable Theorie.

          Herrn Malik darf ich danken, dass er mir vor mehr als zehn Jahren mit seinem Artikel „Verschuldung und Wachstumszwang“ in Binswanger/Flotow „Geld & Wachstum“, wie andere St. Gallener es auch taten, die Augen geöffnet hat.

          • A.I.

            Vielen Dank, dass Sie darauf geantwortet haben. Mir ist nach dem Posting dasselbe Argument eingefallen: Ab dem zehnten Verleihen ist das Eigenkapital ebenfalls blockiert.

            Daraufhin habe ich über den Wohnhauseigentümer nachgedacht. Er kann ja kaum mehrere Wohnungen im selben bewohnen, ihm entgeht ja kein Konsum, wenn er gegen Überlassung der Wohnung Mietzins verlangt (zuzügl. zu den Betriebskosten). So könnte man argumentieren.

            Aber: Wenn er das Wohnhaus erwirbt, muss er Geld dafür hinlegen, entweder gleich, oder später durch die Tilgung des Kredits. Dieses Geld kann er nicht mehr für den Konsum einsetzen. Also ist der Mietzins die Prämie für diesen Verzicht.

            Demnach ist die schuldbasierte Wirtschaft durch vollstreckbares Eigentum gedeckt.

            Aber: genau diese Idee wird durch doch durch das Leveraging der Banken ausgehebelt, weil dadurch mehr Geld in die Welt kommt, als an Gegenwert durch vollstreckbares Eigentum bzw. Arbeitseinkommen vorhanden ist.

            Oder sehe ich das falsch?

            • Fredmund Malik

              Sie haben schon Recht, aber genau das führt dann, wenn nichts dagegen getan wird, ins heutige Chaos. Es entsteht ein sich selbstverstärkener und dann sich selbst zerstörender Schuldenberg, der aber auch die Realwirtschaft mit sich reisst, und Menschen in die Armut zwingt. Es ist eben nur Schein-Reichtum, nur wird er von vielen mit echtem Reichtum verwechselt, weil sie nicht durchblicken.

          • A.I.

            Die Sache mit dem Leveraging ist genau ein Punkt, den ich bei der HS’schen Argumentation auch nicht verstehe.

            Wenn ich 10 000 Euro Eigenkapital habe, als Bank, und muss nur 10% Deckung meiner Verbindlichkeiten vorhalten, dann kann ich 100 000 verleihen und dafür Zins kassieren.

            Das bedeutet aber nichts weiter, als dass ich meine 10 000 Euro zehnmal verliehen habe.

            Angeblich ist der Zins die Prämie dafür, dass nach Verleihung der 10 000 Euro diese 10 000 für mich blockiert sind. Aber wenn ich an 9 weitere Leute 10 000 verleihen kann, dann sind nach dem ersten Verleihen die 10 000 nicht blockiert gewesen.

            Genau das verstehe ich nämlich an der Theorie von HS auch nicht, wie Stefan B zu Recht einwendet.

            • Fredmund Malik

              Wenn Sie das Leveragen ausgeschöpft haben, sind Sie 10-fach für 10 000,– blockiert, obwohl Sie nur 10 000 haben. Sie haben aber gar nicht 10 000, — , denn diese haben Sie ja weitergegeben. Vorher hatten Sie 10 000 in Geld, jetzt haben Sie nur noch eine Forderung über 10 000,– Wenn weitere Schuldner nicht mehr zahlen, machen Sie Totalverlust und haben 90 000 Schulden, die Sie nie wieder verdienen können. Nach aussen hat das alles so ausgesehen, als würde die Bank wachsen und gedeihen, in Wahrheit ist dieser „Reichtum“ nichts als Schein. Das ist der zerstörerische moderne Bankmechanismus, eine wirklich tolle Erfindung der Ökonomen. In den USA benötigte es bis etwa 2007 rund 8 $ Schulden um 1 $ Sozialprodukt zu erzeugen.
              Mit einem realen Gut können Sie so natürlich nicht Wirtschaften. Wenn Sie ein Grundstück beleihen, dann können Sie eben dasselbe Grundstück nicht 10 x beleihen.

          • Stefan B

            Sehr geehrter Prof. Malik,

            leider kann ich nicht direkt auf Ihre Bemerkung antworten. Nun, es gibt auch Menschen, die nach ihrer Studienzeit (nicht in St. Gallen) noch die geldtheoretische Diskussion verfolgen – Anlässe gibt es ja genug.

            Was Heinsohn und Steiger betrifft, beanspruchten sie ja die Geldtheorie „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen. Wie Sie wissen, steigt die Qualität einer wissenschaftlichen Theorie mit der logischen Konsistenz und dem empirischen Gehalt. Insofern steht die Theorie von Heinsohn und Steiger noch ein wenig schief und kann durch Ergänzungen und Berichtigungen nur gewinnen.

          • Fredmund Malik

            Es freut mich, dass Sie sich an Ihre Studienzeit erinnern. Ich verstehe nun aber nicht ganz, was Sie oben meinen. Stimmt die Theorie von HS („viable“, was immer das heisst), dann können Ihre Kritikpunkte nicht stimmen bzw. sind irrelevant und umgekehrt.

    • Fredmund Malik

      Leider haben Sie Recht mit Ihrer Ökonomen-Einschätzung
      Von PCM habe ich bedauerlicherweise schon länger nichts mehr gehört.

  3. Josef Walzer

    Herr Malik, ich nehme an, Sie wissen was es bedeutet, sich abseits vom Mainstream zu
    bewegen, vielleicht sogar gegen den Strom zu schwimmen.
    Für Ökonomen, Analysten, Vermögensberater und auch Politiker ist es vermutlich der bequemere Weg, sich auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen, auch wenn diese in den Abgrund führen.
    Viele Betroffene werden sich fragen: Wer trägt die Verantwortung dafür? Wo beginnt fahrlässiges Verhalten und damit Schuld für eingetretene Schäden?

    • Fredmund Malik

      Natürlich, Herr Walzer, weiss ich was das heisst. Diesen Weg habe ich sehr bewusst gewählt, sobald ich mir sicher sein konnte, nicht nur das bessere Wissen studiert zu haben, sondern auch mit den Systemwissenschaften die übergeordnete Sicht zu erschliessen.
      Die Mehrheit hat so gut wie noch nie die Wahrheit gehabt. Besonders in der Wissenschaftsgeschichte kann man sehen, dass es immer einzelne waren, die den Gang der Dinge verändert haben. Kopernikus, Galileo, Fleming, Sauerbruch, Einstein usw. Die Liste ist lang.

  4. Rolf Kaese

    Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
    ist der Zeitpunkt nunmehr gekommen oder nahe, seine Konten zu räumen und das Geld im Schließfach in Sicherheit zu bringen?
    Danke und Grüße
    RK

    • Fredmund Malik

      Fehler können sie damit keinen machen, auch wenn es retrospektiv vielleicht noch etwas zu früh sein könnte. Aber was können Sie dabei verlieren? So gut wie nichts.

      • Jürgen Clasen

        Vollste Übereinstimmung! Nur bei EM bin ich mir verdammt unsicher.Könnte in dieser unübersichtlichen Zeit es doch zu unschönen Sachen kommen ? Ich bin Älter und habe in meiner
        Jugend erlebt, wie Zigaretten; Nylonstrümpfe, Schokolade, Alkoholica zu begehrten Tauschmittel
        wurden. Wir Kinder, haben die leeren Zigarettenschachteln gesammelt. „LUX-Filter“ war wohl das Größte. Sowas vergißt man nicht. Deshalb gibt es bei uns immer Vorräte, die fortlaufend verbraucht und erneuerert werden. Auch wenn es das alles zehntausendmal bei Edeka einschränkungslos zu kaufen gibt und mich meine Töchter für einen (liebenswerten) Spinner halten.

        • Fredmund Malik

          Deflation heisst genügend Waren , aber zu wenig Geld. Nach dem Krieg gabe es zu wenig Produktionskapazität. Davon haben wir heute im Überfluss.

  5. GS

    Sehr geehrter Herr Malik,
    Das Geld in einen Tresor bei einer Bank zu schliessen, könnte sich in einem Ernstfall (die Bank meldet Konkurs an, in der das Geld gelagert wird) als schwierig erweisen. Denn bei einem Konkurs werden keine Angestellten der Bank mehr anwesend sein, die für die Kunden vor Ort (also in der Filiale) sein werden. Ein weiterer Punkt ist der Konkursverwalter. Er könnnte vorsorglich sämtliche Zutritte zur Bank per Dekret verbieten (die Konti sind dann längestens gesperrt) und erst nach einer längeren Zeitperiode den Zugang erlauben. Als in den 80er Jahren die Spar- und Leihkasse Thun ihre Bilanz deponieren musste, dauerte es 10 Jahre, bis die Gläubiger noch irgendetwas erhielten. Wie schnell die Kunden an ihre Tresore kamen, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht können Sie sich noch an den Fall erinnern?

    • Fredmund Malik

      Vorübergehend können zwar auch die Tresorräume schlecht oder gar nicht zugänglich sein. Sie sind als Tresorfachhalter aber eben gerade kein(!) Gläubiger. Die Bank ist in diesem Falle ein Lagerhalter, und eben keine Bank. Daher passt der Vergleich mit Thun nicht.

  6. Mario Stepanik

    ….wer bitte ist PCM?

    Liebe Grüße,

    Mario Stepanik

    • Fredmund Malik

      Dr. Paul C. Martin, einer der Besten

  7. Clemens

    Sehr geehrter Herr Malik,
    1. können Geldmarktfonds eine Alternative sein?
    2 .ist die Tagesanleihe des Bundes eine Möglichkeit?
    3. für wie wahrscheinlich halten sie in diesem Zusammenhang einen Staatsbankrott Deutschlands?
    Vielen Dank!

    • Fredmund Malik

      Letztlich keine Alternativen, weil alles Schulden sind, die eines Tages vermutlich nicht bezahlt werden..

  8. Franz Gans

    Einer der Ökonomen, der sich deutlich von der Naivität vieler seiner Kollegen abgrenzt, ist Steve Keen. In einem jüngst auf BBC veröffentlichten Interview warnt er vor einer weltweiten Depression und plädiert für einen weitgehenden Schuldenerlass.
    http://www.bbc.co.uk/programmes/p00lmvyl#synopsis
    Was halten Sie davon, Herr Malik?

    • Florian Linse

      Das Interview ist wirklich sehenswert.
      Hier kann man es übrigens sehen: http://www.youtube.com/watch?v=rGkmgnprrIU
      Steve Keen ist einer der wenigen nicht neoklassizistischen Wirtschaftswissenschaftler und als solcher hat er weitreichende Forschung zum Thema Schuldendynamik betrieben (die Neoklassiker scheinen nämliche die Rolle der Schulden in der Wirtschaft gerne zu ignorieren). Im Interview erklärt er das zum Teil und versucht Lösungsansätze zu formulieren, wie mit der Schuldenkrise umgegangen werden müsste, um schwerstes gesellschaftliches Unheil (z.B. Unruhen, Kriege etc.) zu verhindern.

    • Fredmund Malik

      Müsste ich anschauen, wozu aber im Moment wenig Zeit ist ..

  9. A. Huber

    Sehr geehrter Herr Malik

    vielleich vermuten Sie den Zeitpuntk des Crashs zu früh. Vielleicht haben Sie haben den Wahnsinn unterschätzt mit dem versucht wird das Schuldensystem zu retten. Da wird „gehebelt“ und die Notenbanken „fluten mit Geld“ und trieben die Akteinkurse heute in die Höhe. Nun gibt es eine Jahresendralley und einen starken Frühling am Aktienmarkt…. Nicht auszudenken was dann kommt – der Crash um eine Dimension schlimmer, den wirklich retten kann man das System mit diesen Methoden nicht, das haben Sie schon mehrfach hier dargelegt . Aber wie Herr Walzer sagt es ist der vorerst bequemere Weg. Wie kann nun jeder einzelne von uns seine Verantwortung wahrnehmen dazu beizutragen dieses von unserer Gesellschaft abzuwenden oder die Folgen zu mildern? Vielleicht einen Blog starten dazu, mit einer Ideensammlung, Maßnahmen…? Ich würde gerne meinen Teil dazu beitragen.

    • Fredmund Malik

      Ich sehe bisher keinen Grund, meine Auffassung zu ändern: Deflationäre Depression, wenn man wie bisher weitermacht. Heute hat man „wie bisher“ weitergemacht. Ideen sind jederzeit willkommen.

      • A. Huber

        Das habe ich auch nicht gemeint, ich sehe auch keinen Grund warum Sie Ihre Auffassung ändern sollten, nur die Regierungen geben nicht auf auch wenn es offensichtlich wird, dass sie nichts mehr retten können mit den alten Methoden, sondern gehen bis zum äußersten und zwar solange bis sie nichts mehr aber auch gar nichts mehr machen können und. Das kann zu massiven politischen Unruhen führen und da mache ich mir Sorgen.

        • Fredmund Malik

          Ihre Sorgen sind durchaus berechtigt. Solange man im alten Denken verharrt, kann es eine Besserung nicht geben.
          Hingegen sind Lösungen mit dem neuen Denken und vor allem den neuen Methoden rasch und nachhaltig erzielbar.

      • Peter Unterluggauer

        Vorschläge:

        1. Sehr tiefgreifende und schonungslose Analyse unserer wirtschaftlichen Situation und Probleme, ohne Tabus und ohne ideologische Scheuklappen.
        2. Umfassende Lösungssuche und Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten
        3. Umsetzung mit Vorbeitung der Umsetzungsmaßnahmen, etc.
        4. Jeweils Entwicklung von umfassenden Themenkatalogen mit Priorisierung
        5. Bildung möglichst vieler, möglichst leistungsfähiger Arbeitsgruppen, die diese Aufgabe strukturiert abarbeiten. Einbeziehung möglichst kompetenter Experten und interessierter Bürger, die sich auf einen Themenbereich spezialisieren und Knowhow erarbeiten.

        Begründungen:
        Die vorhandenen Analysen der Experten sind nicht ausreichend. Wir brauchen rasch ein wesentliches fundierteres Problemverständnis. Der Einfluss der Interessensgruppen auf die Problemdefinition ist noch viel zu hoch. Das Problemverständnis ist bruchstückhaft. Wir können uns nicht auf die Meinungen weniger Experten/Profis verlassen. Ohne tiefgreifendes Problemverständnis verfolgen wir die falschen Lösungskonzepte.
        Ähnliches gilt für die aktuellen Lösungskonzepte und die Umsetzung.
        Damit das schnell geht brauchen wir möglichst viel Manpower.

        • Fredmund Malik

          In meinem Buch über „Strategie: Navigieren in der Komplexität der Neuen Welt“ finden sie die konkreten Lösungen und Tools.

  10. S. Ottomano

    Ich weiss nach wie vor nicht konkret, was ausser Gesetze (und DAS ist kein Argument) die Notenbanken daran hindern soll, _beliebig_ Schulden der Staaten aufzukaufen. Gerade USA und Europa haben über Kreuz Schuldner bzw. Gläubiger, beide sind daran interessiert dass die Banken, welche Staatsanleihen im grossen Stil halten, nicht kollabieren.
    Dass der Tag der Abrechnung kommt ist klar, aber ich bin je länger je mehr überzeugt, das ist der Weg der eingeschlagen wird und massive, schockartige deflationäre Abwärtsbewegungen noch viele, viele Monate hinausgezögert werden.

    Den Schuldenabbau, egal wie er erfolgt, kann man sowieso nicht verhindern, mit keiner Methode. Man kann höchstens den Fall entweder geordnet (indem man ihn antizipiert) in Bahnen lenken oder den harten Aufprall (so wie es wohl geschehen wird) miterleben.

    • PigBonds.info

      Genau. Auch die durch die Notenbanken über den Sekundärmarkt aufgekauften Anleihen müssen weiter bedient werden.
      Diese Praxis schwächt dann die Währung, ohne aber das Schuldenproblem zu lösen, da es immer mehr unbedienbare Schulden gibt (also nix mit Weginflationieren von Schulden).

      Da sich nicht alle Währungen gegeneinander abwerten können, aber alle Notenbanken genau dies versuchen, werden sie gegen Gold abwerten. Dies, weil Notenbanken sowohl Devisen wie Gold in den Aktiven halten, die Devisen wegen der Abwertungsversuche aller Notenbanken schlussendlich gewissermassen stabil zueinander bleiben.

      Ich weiss, Herr Malik hört es nicht gerne, aber letztlich ist das Gold der versteckte „Verlustvortrag“ einer Notenbank und MUSS wegen der Reflationsversuche in der Deflation steigen.

      Somit ist Gold, wie Soros richtig sagt, „the ultimate bubble“ – also die ultimative und letzte Blase. Erst wenn wegen des unkontrollierbaren Goldpreisanstiegs die sichersten Anleihen crashen, dadurch hohe Renditen und in der Folge hohe Zinsen erzwingen, damit den Aktien den Todesstoss versetzen, weil sich der Vorteil des Leverage-Effektes zum Zwecke der Eigenkapitalrenditensteigerung umdreht, …

      • Fredmund Malik

        Die meisten Notenbanken haben in den letzten 10 Jahren zu grossen Teilen ihr Gold verkauft, zu miserablen Preisen, darunter auch die Schweizerische Nationalbank.

  11. Reinhard Jung

    Sehr geehrter Herr Malik, wenn ich nach Ihren Richtlinien meine Altersvorsorge bei der Allianz in bar auszahlen lasse, vergebe ich ein monatliches Rentenmodell, nach heutigen Kriterien ein hohes Risiko. Die Allianz hat 2 Weltkriege überlebt, wird aber nach Ihrer Sichtweise von der kommenden Deflation nicht ausgespart sein, nicht wahr? Würden Sie dieses Geld in Euros für sicher halten? was geschieht, wenn es eine Währungsreform gibt, wie 1948 und ich nur noch wertloses Papier besitze? Ausweichen in Norwegische Kronen oder Schweizer Franken?

    • Fredmund Malik

      Herr Jung, die Allianz hat überlebt, und wahrscheinlich wird sie es sie auch in Zukunft in der einen oder anderen Form geben. Sie nun aus der Ferne konkret zu beraten, wäre verantwortungslos von mir. Die zu beachtende Grundlinie ist aber immer, dass in einer Deflation, wie wir sie schon haben und verstärkt bekommen werden, in ausreichendem Masse Bargeld zu halten. Wenn Sie dieses in mehreren an sich soliden Währungen tun, reduzieren sie nochmals das Risiko ..

  12. Reinhard Jung

    Sehr geehrter Herr Malik,

    ich danke Ihnen für Ihre Antwort..
    RJ

  13. Jürgen Clasen

    Einige bislang Ahnungslose werden von ersten Ahnungen geplagt:
    S&P sieht schwere Rezession in der Eurozone in 2012.
    EZB-Präsident Draghi erwartet Wirtschaftseinbruch.
    Lagarde warnt vor Rückfall in dreißiger Jahre. (sic!)
    Dazu paßt auch:
    Frankreich: Fitch senkt den Ausblick für das aktuelle Kreditrating AAA auf „Negativ“.
    Fitch hat Ratings von Belgien, Spanien, Slowenien, Italien, Irland und Zypern auf „Watch Negative“ gesetzt.
    Jetzt kommen sicher auch bald die üblichen Medienstars drauf und unser Wirtschaftsminister faselt was von 1%
    Wachstum, wobei ich mir nicht sicher bin, ob er wirklich weiss, über was er da spricht.
    Die Frage ist nicht mehr, ob es abwärts geht, sondern nur noch wie schnell und wie tief es geht.

    • Fredmund Malik

      Die bisher von „Experten“ verzapften Dummheiten sind unbeschreiblich. Nun beginnen einige, ihre Fähnchen in einen neuen Wind zu stellen.
      Diese Pseudo-Experten verwenden nun neue Wörter. Deswegen allein verstehen sie aber die Lage noch nicht besser. Dazu gehört etwas mehr Wirtschaftsverständnis. Dieses scheinen Sie massgeblich zu haben. Gratulation!

  14. Jürgen Clasen

    Aus meiner Sicht regt sich was :

    Spiegel, UniSpiegel 6/2011

    „Während draußen in der Welt die Märkte, ganze Staaten taumeln, lehren die Volkswirtschaftler an den Unis unverdrossen ihre überkommenen Theorien.“

    Hier gibt es den ganzen Bericht:

    http://www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-82971119.html

    Wenn unsere Altvorderen immer mit dem Erreichten zufrieden gewesen wären, würden wir wahrscheinlich noch
    in Erdlöchern hausen…

    Da ich aber in diesem Blog schon einiges gelernt habe, ging doch ein leichtes Grinsen über mein Gesicht…

    • Fredmund Malik

      Die Lage an den Universitäten ist in den Wirtschaftswissenschaften katastrophal. Eine rechtzeitige Reform halte ich inzwischen für beinahe ausgeschlossen, so wie ich überhaupt seit langem meine, dass die heutigen Universitäten ein Auslaufmodell sind. Deshalb bin ich selbst schon 1984 mit meinen Forschungen für eine ganzheitliche system-kybernetische Managementlehre aus der Uni ausgezogen, und habe meine eigene Organisation gegründet. Die bedeutenden Forschungen finden in vielen Fächern bereits heute ausserhalb der Unis statt, z. B. in der Max Planck- und Helmholtz-Gesellschaft. Insbesondere Ökonomie und BWL gehören aber zu den zählebigsten Bewahrern überholter Theorien. Eines der grossen Probleme ist, dass viele Generationen von Studenten dieses Un-Wissen lernen und an Prüfungen reproduzieren mussten.