Kurzfristige Schwankungen vs. Basis-Szenario

F. Malik am Montag, 23.01.2012 um 7:54 Uhr
« Vorheriger Artikel / Übersicht / Nächster Artikel »

Medien sind fast ausnahmslos auf Tagesereignisse ausgerichtet. Dort stehen also kurzfristige Veränderungen im Fokus. Meine Szenarien hingegen enthalten die grundlegenden, langfristig vorherrschenden Tatsachen und Trends. Auch manche Blogleser reagieren häufig auf Tagesereignisse.

Ob die Aktienkurse ein paar Prozente hinauf oder heruntergehen, ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen wichtig, sonst hingegen nicht. Viel wichtiger ist aber, ob wir auf Inflation oder Deflation zulaufen, auf Wachstum oder Depression, auf „Sommer“ oder „Winter“. Prognosen dieser Art sind in meinen Szenarien enthalten. Das ist allein schon deshalb viel wichtiger, weil die Bedeutung von kurzfristigen Schwankungen und Tagesmeldungen überhaupt erst erkannt werden kann, wenn man die grundlegenden Trends kennt.

Ein Beispiel: Auch im Herbst kann es längere Perioden schöner Sonnentage mit sogar steigenden Temperaturen geben. Dennoch geht es auf den Winter zu und nicht auf den Sommer.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Verbleibende Zeichen

51 Kommentare

  1. Jürgen Clasen

    „Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent.“John Maynard Keynes. Nun, wir hatten ja auch im Jahre 2003 eine Bärmarktrallye. Ich erinnere mich genau. Verständige Experten sprachen von einen Echoblase, die bald platzen würde…Dieses Echo erreichte das Ausgangssignal von 2000.
    Wie überhaupt, die Märkte sehr viel höher und natürlich auch tiefer laufen, als man „vernünftigerweise“ annimmt. Auf der Longseite gibt starke Unterstützer. Fonds, Regierungen, Notenbanken. Weiter bemerkenswert, wenn man Ihre Szenarien zu Grunde legt, beispielsweise die Plangen von Daimler, die ihre Produktion bis 2020 verdoppeln wollen und die dann auf eine mindestens halbierte Nachfrage stoßen würden. Das wird „den Daimler“ aus meiner Sicht nicht umbringen und vielleicht sucht er ja dann mal neue Wege.
    Bevor das alles vor den Präsidentenwahlen in den USA passiert, werden noch letzte Gefechte geliefert. Bens Helikopter lassen schon die Motoren warmlaufen…Ob sie in diesem Kampf noch was ausrichten können, wir werden sehen.

  2. Herbert Zech

    Sehr geehrter Herr Malik,

    m. E. wurden durch die Konjunkturpakete vorwiegend gesunde Märkte gestützt. Dies hat bei funktionierden Märkten zu einer Überhitzung der Märkte und zu jährlichen Preissteigerungen im Sachgüterbereich (Liegenschaften, vorgezogene Sanierungen, Luxusgüter etc.) geführt. Auch aus Angst, das Geld zu verlieren bzw.,dass sich das Geld laufend entwertet, wurde viel in Sachwerte investiert (Flucht in Sachwerte). Tatsächlich ist der Geldwert eher stabil geblieben, während sich die Sachwerte in den letzten Jahren unnatürlich eintwickelt haben, d.h. ein Sachwert von 100 hat sich zb auf 115 entwickelt, während der Geldwert bei 100 geblieben ist. Real betrachtet muss ich heute für einen Sachwert, der real 100 wert ist und sich nur durch Überhitzung (unnatürlich hohe Nachfrage)auf 115 gesteigert hat, Geld von 115 hinlegen (bezogen auf Geld von 100 erhalte ich einen Wert von 86,96), d.h. ich verliere erst durch die Flucht in Sachwert Geld, weil ich überteuert einkaufe. Spätestens, wenn die teilweise noch vorhandene Liquidität verbraucht ist, müsste sich die Sache drehen und die Sachwerte fallen. Sehen Sie dies auch so?

    • Fredmund Malik

      Leute, die noch in Sachwerte „investieren“, werden dieses vermutlich schon bald bereuen, denn sie treffen Massnahmen, die in der Inflation zwar richtig sind, nicht aber in einer Deflation.
      Fast alle Sachgüter werden sinken, wenn auch nicht überall gleich stark. Was passieren kann, ist am besten am US-Immobilienmarkt zu sehen, u. a. in Detroit, Las Vegas, Cleveland und Florida.

      • Milun Radosavljevic

        Guten Tag Herr Malik,
        Ich habe eine Verständnisfrage: Die Deflation bezeichnet doch den Rückgang der ungedeckten Geldmenge, ist somit das Gegenstück zur Inflation und ein monetäres Phänomen. Wäre es nicht „richtiger“ von einem Absinken/Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, also eine Vergünstigung zu reden? Vergünstigung/Teuerung sind doch Preisphänomene und keine monetäre Mechanismen?

        • Fredmund Malik

          Deflation ist das Liquidieren von ungedeckten Krediten durch Abschreiben der Forderungen oder Zwangsverkäufen der Aktiven.

  3. JB

    Hört man sich im Bekanntenkreis um stösst man fast immer auf folgende Ansichten:
    -Deflation niemals und Betongold war ja schon immer sicher
    -Jeder erinnert sich gut an die Inflationsperioden nach den Kriegen , keiner kennt 1929
    -Wachsende Frustration in vielen Organisationen, vor allem auf Managementlevel
    Die Leute sind durch ihre früheren Lebenserfahrungen und durch die widersprüchlichen und oftmals abstrusen Aussagen der Medien völlig desorientiert.
    Auf der einen Seite merken sie, dass etwas „im Busch ist“, und fürchten sich davor, aber auf der anderen Seite sind sie auch nicht offen für „out of the box“ Diskussionen wie Malik sie bietet.
    Dafür müssten sie ihre ganze Lebenserfahrung, ihr Know how und ihre früher getroffenen Lebensentscheidungen hinterfragen, und das fällt den Leuten naturgemäss schwer.
    Ich musste jedenfalls mehrere Malik-Bücher und einige Newsletter lesen, nur um zu erkennen, dass diese Konzepte durchaus schlüssig sein könnten, aber wer nimmt sich bei aller Hektik schon die Zeit dafür?

    • Fredmund Malik

      Die Desorientierung, von der sie sprechen, ist allgegegenwärtig, und zwar bis in die höchsten Etagen. Kaum jemand hat sich auch nur im entferntesten mit der Geschichte der deflationären Krisen befasst. Das ist einer der Gründe, weswegen ich schon früh auf die Verantwortungslosigkeit der meisten Wirtschafts- und BWL-Fakultäten der Universitäten hingewiesen habe, etwa 15 Absolventenjahrgänge falsch programmiert zu haben.

      • JB

        Ich bin selbst einer dieser falschprogrammierten BWLer…
        IS/LM Kurven überall, und wenn ich die Geldmenge erhöhe, steigt laut Funktion automatisch das Preisniveau.
        Und noch heute laufe ich in der Praxis täglich Managern über den Weg, die die Umsätze der Vergangenheit linear hochrechnen, und dies allen Ernstes als Strategie bezeichnen.
        Traurig ist nur, dass ich viel zu alt werden musste, bis ich per Zufall über Ihren Managementansatz gestolpert bin.
        Das hätte mir zehn Jahre früher passieren sollen, und das ist ärgerlich.
        Aber wie sagt der Volksmund: „Hättste was Gescheites gelernt…“

        • Constantin

          Dazu ein schönes chinesisches Sprichwort:

          „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die nächstbeste ist jetzt.“

        • Fredmund Malik

          Es ist nie zu spät ..

  4. Sascha

    Lieber Prof. Malik,

    die Tagesereignisse in den Medien und/oder die sog. Experten machen es aber mir zum Beispiel oft schwierig im Umfeld bei dem Thema noch ernst genommen zu werden. Der überwiegende Teil geht von einer Inflation oder einem ‚weiter so‘ aus und andere Meinungen gelten nicht.

    Deflation? Ein leichtes Kopfschütteln ist dabei noch die höfliche Art der Ablehnung. Eine Zeitlang empfand ich das als so belastend, dass ich aufgehört habe Mainstream, Tagespresse etc. in meinem Umfeld bei gegebenen Anlässen zu diskutieren. Die seltenen’Gesinnungsgenossen‘ erkennt man dafür meist schon nach wenigen Minuten. Der allgemeine Herdentrieb macht es einem halt nicht leicht den eigenen Kurs zu halten, auch nicht mit einigen Jahren Erfahrung. Um so gespannter bin ich auf 2012!

    Mit bestem Gruss
    Sascha

    • Fredmund Malik

      Ich kenne diese Situation und das damit verbundene Gefühl. Aber man gewöhnt sich daran. So gut wie alle grossen wissenschaftlichen Entdeckungen wurden von Einzelnen gemacht, die die Opposition der Mehrheiten gegen sich hatten.

  5. Sascha

    Anbei möchte ich kurz ein aktuelles Beispiel anfügen. Thomas Mayer, seines Zeichens Chefvolkswirt der Deutschen Bank, warnt vor einer Verschärfung der Finanzkrise und meint…“Die mögliche Folge wäre eine Hyperinflation“.

    Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/eurokrise-deutsche-bank-volkswirt-warnt-vor-kollaps-des-geldsystems/6104372.html

    • A.I.

      Das ist genau die Art von völlig nichtssagender Berichterstattung, die mich seit Jahren irritiert.

      Vertrauen in private Finanzen zerstört, Vertrauen in Staatsfinanzen zerstört, also Hyperinflation.

      Ökonomie neu denken, mal „aus dem Fenster sehen“.

      Ich bin von der Ausbildung her ein Wissenschaftler. Wenn mir nun jemand den Vorschlag, sein Denkmodell ab und zu mal gegen die Realität abzugleichen, als neue, revolutionäre Erkenntnis verkauft, dann erweckt das bei mir keinen Respekt.

      Mal abgesehen davon, dass ich die Kausalitätskette zwischen zerstörtem Vertrauen und Hyperinflation nicht verstanden habe. Wahrscheinlich bin ich einfach zu blöd.

      • Fredmund Malik

        Wahrscheinlich sind Sie zu klug, um glauben zu können, was in den Wirtschaftswissenschaften unwidersprochen oft für ein unsäglicher Unfung vertreten wird …

    • Fredmund Malik

      Tjaa, und was nun? Konsequent neu denken wäre es eben … dann käme man nicht zu Inflation, und die Rede vom „Vertrauen verlieren“ ist ein bisschen gar dünn …

      • Willi Danninger

        Ich hab da auch noch einen Kommentar von Georg Soros vom Weltwirtschaftsforum in Davos der vor einer langfristigen Deflationsperiode warnt.
        http://www.n-tv.de/wirtschaft/Soros-greift-Krisenmanager-an-article5319086.html
        Hr. Soros dürfte auch Malik gelesen haben 😉

      • Constantin

        Sehr geehrter Prof. Malik,
        erstmal vielen Dank für ihre wertvollen Beiträge hier im Blog.
        Ich habe mich durch viele der Beiträge von 2011 und deren Kommentare gelesen und würde gerne nochmal konkret auf die Vermögenssicherung zu sprechen kommen.
        Sie vertreten die Devise in Bargeld (vermeintlich) gesunder Währungen wie CHF und NOK zu konvertieren und dieses in Schließfächern zu lagern.
        Was wäre hier der Unterschied, die Gelder auf Tagesgeldkonten zu belassen?
        Glauben Sie, im Ernstfall greift nicht die Einlagensicherung?
        Ich sehe das praktische Problem der Lagerung von größeren Bargeldbeträgen, dieses ist in Schließfächern bei der Bank nicht versichert und es gab immer wieder Fälle von Einbrüchen. Desweiteren könnte man, wenn es hart auf hart kommt, Probleme haben das ganze Bargeld später wieder zu konvertieren/einzuzahlen? Gefahren: Frage und Nachweis nach Herkunft, Kapitalverkehrskontrollen, Währungsreform mit Freibeträgen etc…
        Mir ist bewusst, dass Sie hier keine „Vermögensberatung“ betreiben, ich wäre dennoch für eine kurze Antwort dankbar.

        • Fredmund Malik

          Tagesgeld ist nicht Geld, sondern Forderungen gegen die Bank.
          Im Ernstfall ist es wahrscheinlich, dass man an diese Forderungen tage- und wochenlang nicht herankommt. Die Einlagenversicherung ist nach oben in der Regel limitiert. Ausserdem wird dies u. U. gar nicht mehr zahlen können.
          Im Tresor brauchen Sie keine Einlagenversicherung und Einbrüche dürften die Ausnahme bleiben. Herkunftsnachweise brauche sie ja nicht, wenn Sie das Geld bei sich haben.

  6. Jürgen Kusche

    Wenn man Klaus Schwab(Davos)zuhört, dann schreit die Welt nach neuen Sytemen.
    Maliks Syntegration scheint dort wohl noch nicht angekommen zu sein. Eigentlich nur der Beweis, wie irrational die Welt noch immer agiert.

    • Fredmund Malik

      Davos war immer schon 5 Jahre hintendrein ..

      • Jürgen Kusche

        Ich dachte immer, in Davos kommen Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute zusammen, die dort relativ ungezwungen ihre Meinungen vertreten können. Bessere Voraussetzungen gibt es doch eigentlich gar nicht. Sind denn in Davos wirklich keine Leute dabei, die Ihre, also Maliks Richtung vertreten?

        • Fredmund Malik

          Ihr Meinungen können die Besucher schon ungezwungen vertreten, nur haben die meisten sehr ähnliche Meinungen bezüglich der Krise. Es sind aber auch einige dort, die meine Szenarien kennen.

  7. Jürgen Clasen

    “Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent.”John Maynard Keynes. Ich bevorzuge anschauliches: Es ist eine Tube Senf. Sie ist nur noch zur Hälfte gefüllt. Man weist zu recht auf den Mangelzustand hin, der demnächst auftreten wird. Nun gibt es aber Tubendrücker, denen der Zustand
    ziemlich egal ist. Sie versprechen: Senf für alle! Und sie haben Helfer in den Notenbanken. Gerade hat die Wichtigste davon quasi Nullzins bis 2014
    angekündigt. Vorher hat man von einem Greenspan Put gesprochen. Der Nachfolger begibt jetzt auch diese Garantie. Wir müssen jetzt fassungslos zusehen wie auf eine völlig verrückte Sache, die Allerverrückteste drauf
    gesattelt wird. Ludwig von Mises: „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur,ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll.“ Man hat sich wohl für später entschieden.
    Die Rettungskredittöpfe werden gefüllt. Vielleicht kommen jetzt auch noch
    Konjunkturwachstumsprogramme, natürlich auch auf Kredit, dazu. Defizite sind egal…

    • Fredmund Malik

      So ist es. Allerdings stimme ich heute von Mises nicht mehr zu.
      Soeben haben wir mit einer Malik SuperSyntegration einem grossen und sehr bekannten Verkehrsunternehmen statt der als Ziel vorgegebenen 300 Mio Potentiale von 600 Mio zu helfen ermöglicht. Doppelt so gut funktionieren – mit dem halben Geld. So sieht das aus, und es gelingt regelmässig.

      • Hubert Lingg

        Herr Malik, würde es nicht Sinn machen, dass Sie in Davos auch eine wichtige Rolle spielen? Dorthin sind doch die Augen gerichtet und eine große Aufmerksamkeit wäre Ihnen sicher.

        • Fredmund Malik

          Das können die Veranstalter besser beantworten als ich.
          Gerade durch Davos sind die Augen seit Jahren in die falsche Richtung gerichtet.
          Was wurde doch dort der Shareholder Value gepriesen und das US-Wirtschaftswunder …

  8. Jürgen Clasen

    Erlaube mir den Hinweis auf:
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/euro-krise-die-grenze-fuer-ezb-anleihekaeufe-ist-der-himmel/6116412.html

    „Die Grenze für EZB-Anleihekäufe ist der Himmel“

    Was heißt das alles? Irgendwo und irgendwie wird die EZB die monitäre Aggregate auf Expansion bringen. Zinsen senken, direkt oder indirekt Anleihen kaufen. Legal, illlegal, sch…egal. Gegen einen weiteren Anstieg des DAX bzw der EM gibt es wenig Gründe. Aktienpreise sind in erster Linie von Kreditaufblähung determiniert. Die miesen Kredite landen alle ausnahmslos in dem EFSF bzw ESM in der BB und in der EZB. Garantiert wird es Wachstumsprogramme geben, weil ja Wachstum so wichtig ist. Auf Pump versteht sich. Wir müssen verstehen, das nach tot, noch mausetot kommt.

    • Fredmund Malik

      Ja, so ist es, und wenn keine Wende mit neuem Denken und neuen Methoden einsetzt, dann bringt sich dieses System selbst um. Wie lange es dann noch dauern würde, kann man raten. Aber es wird unausweichlich sein. Meine LeserInnen konnten sich auf den Worst Case vorbereiten, und sind daher bestens gestellt, auch wenn er nicht kommen sollte.
      Denn falls eine Wachstumperiode einsetzen sollte, dann wird man das früh genug sehr leicht erkennen und kann umdisponieren. Von den Kaskaden einer Deflation werden aber fast alle total überrascht werden.

  9. chris-k

    Guten Tag Hr. Prof. Malik,

    sollte es den alten Methoden doch gelingen das ganze wieder in ein Wachstum zu drehen, wie groß sehen Sie dann die Gefahr eine Hyper-Inflation um die Schulden zu senken? Oder ist dann eher von einer „normalen“ Inflation von 2-3% p.a. auszugehen? Und wodurch würden sich diese beiden Szenarien erkennen lassen?

    Vielen Dank,
    C. Knotz

  10. H.H. Beyer

    Herr Professor Malik,

    Sie haben Ihr Unternehmen „ Edmund Malik „ zu großem Erfolg geführt – in einer Gesellschaft, die das vermeindliche Wissen sucht.
    In Ihrem Beitrag (Stuttgarter Zeitung 28.01.2012) begeben Sie sich u.a. aber abschließend auf die Ebene einer Empfehlung für den einzelen Menschen wie er sein Vermögen werthaltig retten und sogar möglicherweise vergrößern kann.

    Abgesehen, daß der von Ihnen gemachte Vorschlag m.E. nicht Ihrem Wissensniveau entspricht und auch m.E. aus vielen komplexen Zusammenhängen und Auswirkungen unsinnig ist – ist es wirklich so, daß Sie in dieser Interessengruppe Ratschäge solcher Art geben wollen ?? Das beigefügte Bild
    unterstreicht in der Ausstrahlung etwas, das Menschen so gerne suchen – sie aber oft auch blind werden lassenfür den Inhalt der „ Botschaft „.

    Ich kenne Sie nicht, empfehle Ihnen aber persönlich etwas Zurückhaltung für diese „Suchenden„. Bleiben Sie in dem Kreis der vorgeblich Wissenden und institutionellen Anleger und Entscheider – und Sie können nachts besser schlafen.
    Ich meine dies wirklich nicht böse oder diskreminierend zu Ihrer Person.
    Es soll nur ein persönlicher Rat zu einem Überdenken des Handelns sei

    • Fredmund Malik

      Was finden Sie falsch daran, dass ich Menschen, die mich nach meiner Meinung fragen, so gut wie als Einziger das richtige Handeln empfehle. Ich war ausser noch drei anderen der Einzige, der bereits in den 1990er Jahren diese Krise kommen sah und dies auch veröffentlichte. Inzwischen haben viele, die nach meinen Ratschlägen handelten, ihr Vermögen gerettet, während andere hohe Verluste haben. Mein Wissen ist nicht ein vermeintliches, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit das richtige Wissen.

      • Jürgen Clasen

        In der Physik schien bislang alles klar zu sein mit dem s. g. Standardmodell. Lichtgeschwindigkeit als ultimative Grenze.
        Nun ist diese Sache ins Wanken graden. Man hat Neutrinos gemessen die schneller sind… Meßfehler ? Wir wissen es nicht. In der Ökonomie gibt es noch nicht einmal eine einheitliche Lehre. Nun werden 1500 Mrd über die EZB den Junkies in die Adern gejagt. Dann kommen die Schirmchen mit wahrscheinlich ähnlicher Größenordnung dazu. Die USA kündigen weitere jährliche Defizite im US Haushalt von 1000 Mrd für die nächsten Jahre an. Vielleicht kommt sogar noch was drauf. Viele Aktien haben Dividendenrenditen von 6, 7, 8 und mehr Prozent. Die Triple A Bunds 5 Jahre bringen unter 1 %. Bei diesem Renditeschwund könnten Versicherungen schon bald ihre Renditeversprechen nicht mehr halten …und die genannten Dividendenpapiere kaufen. Alle Theorie ist grau(sam).
        Das gesamte Finanzwesen ist in meinen Augen hoffnungslos verrottet. Die Hexenmeister können aber mit der „Maus“ diesen Zombie immer noch weiteres Leben einhauchen. Natürlich einschließlich DAX.

      • H.H. Beyer

        Herr Professor,
        es war mir nur aufgefallen, daß Sie sich in doch sehr starker Weise auf eine ganz andere Gruppe begeben haben und/oder hinziehen ließen. Natürlich kann man die Masse Mensch sehr schnell bewegen – nur will man es wirklich und auch die Verantwortung übernehmen ?? Vermeintlich richtig oder vermeintlich falsch ist vorausgehend nicht die wesentliche Frage. Wollen Sie wirklich eine Hype lostreten , daß die Masse Mensch ihr Vermögen von den Banken abzieht und das Geld in den Safe legt. Sie wissen , was dies bedeutet und welche Auswirkungen es nehmen kann.

        Es war nur ein persönlicher Rat (aus eigenen Erfahrungen)- auch bei noch so guter Absicht vielleicht- nochmals zu überdenken, ob man für die Massen sich exponieren und/oder instrumentalisieren lassen wil und letztlich eine ganz andere, höhere Verantwortung(die der Stärkere in diesem Spiel nicht wirklich leugnen kann) wirklich übernehmen möchte.

        Ich meine das Gesamtthema ist sehr, sehr komplex – tun Sie es sich nicht an. Unter Gleichgestellten /„Wissenden„ erscheint die persönliche Verantwortung wesentlich geringer – und dies zu tragen ist schon genug. Freuen Sie sich über ihre zweifelsfreie Anerkennung und Erfolg

        • Fredmund Malik

          Herr Beyer, mir sind Ihre Anliegen bewusst. Besten Dank daher für Ihr Interesse, Ihre Hinweise und Ratschläge.

      • Jürgen Kusche

        Lieber Prof. Malik, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Interview vom 28.01.2012 mit der Stuttgarter Zeitung. Mir hat der Artikel sehr viel gegeben, denn hier faßten Sie mal alles zusammen, was nach Ihrer Meinung uns wohl so in der nächsten Zeit in Europa und der Welt erwartet. Ich glaube auch, dass Vieles unbedingt umgebaut werden muss, und das möglichst schnell. Die Europa- oder gar Weltpolitik kann zwar deshalb nicht mit einem Unternehmen verglichen werden, weil es in der Politik sehr viel komplizierter ist und die Politiker mit ihrer Materie sehr viel komplizierter umgehen. Umso wichtiger wären eben Maliks Methoden. Mir fällt da immer geleich die Firma Linde ein. Hier hat Dr. Wolfgang Reitzle es in relativ kurzer Zeit geschafft, seinen Betrieb grundlegend umzukrempeln und ihn damit wohl auch auf einen guten zukunftsfähigen Kurs gebracht. Ob mit oder ohne Maliks Methoden weiß ich zwar nicht. Trotzdem könnten sich die Politiker daran ein Beispiel nehmen.

        • Fredmund Malik

          Top-Führungskräfte, wie Dr. Reitzle, verstehen immer öfter und besser, was zu tun ist, weil sie auch den Charakter der Krise zu verstehen versuchen. Unsere Syntegrationstools sind nachgerade Wunder-Tools für sie.

  11. Constantin

    Guten Abend Prof. Malik,
    ich habe ihren Blog und die Management Letter gelesen und das Basis-Szenario nun in einem Chart abgebildet.

    http://img252.imageshack.us/img252/1044/daxvorschaujpg2012.jpg

    Ihre Argumente sind einleuchtend, die Einsicht dass Deflation viel wahrscheinlicher als Inflation ist, ist da.
    Das Timing für die Fahrt nach unten ist diffizil, es wird ein großes Ereignis brauchen; vielleicht ein „CDS-Triggern“ wenn die Griechen sich nicht auf die Rückzahlung/Umschuldung für die März-Anleihe einigen und es Versicherer/Banken zerhaut, die dort (zu viel) spekuliert haben.

    • Fredmund Malik

      Danke, sehr schön. Wenn Sie noch einen grossen Bogen einzeichnen, damit klar wird, dass jede Phase Teil eines grossen ganzheitlichen Geschehens ist, der Grossen Transformation 21. Sie könnten sogar noch zurückgehen bis Mitte 1990er Jahre.Dann käme zuerst der Aufschwung der sogenannten New Economy, dann ab 2000 im März kommt der erste grosse Zusammenbruch, der den Nasdaq-Index, den Masstab für High Tech um 70% nach unten treibt, wovon er sich nicht mehr wirklich erholen kann. Damit hat der grosse Umschwung schon begonnen. Der Dow Jones wird nochmals ein neues Alltime High erreichen, aber auch das ist bereits eine Bear Market Rally. Und so können Sie ihr Bild vervollständigen. Wunderschön .. und sehr lehrreich.

      • Clemens

        Sehr geehrter Herr Malik,
        sie sind also der Meinung, dass der Dow nun doch noch ein neues Alltime High erreicht? Verstehe ich sie da richtig? Lieber Gruß, Clemens

        • Heini1946

          Bis Ende des Monats sollen zusätzliche Ausweitungen des Sicherheitenrahmens der EZB in Kraft treten. Das die Bundesbank hier nicht mitmachen will, besagt nichts, denn es gibt ja noch genug andere Notenbanken, denen das gerade recht kommt. Möglicherweise transferieren sie den aufgesammelten Schrott doch noch via Target 2 in die BB Bilanz. Wie ich schon gepostet habe, werden überall in USA, UK und jetzt auch verstärkt in der EWU, Infusionen gelegt. Mit C Rohren… Wenn es so weitergeht, gehen wir im DAX über einen 8000ter…
          Nach den Wahlen in USA würde ich mich dort von einem Helikopter abholen lassen…

          • Fredmund Malik

            Falls es so weitergeht, ja. Komplexe Systeme kippen aber über Nacht. Siehe meine Antwort zu Herrn Claasens Posting.

        • Fredmund Malik

          Eigentlich nicht, aber wenn er es tut , spielt das für mein Deflationsszenario keine wesentliche Rolle.

      • Jürgen Clasen

        Nichts ist in Blei gegossen. Wenn die Versicherungen, Banken, Fonds merken, das sie mit einer Anleihenrendite um 1% im Triple A Sektor keine Bäume ausreißen können und nach Alternativen suchen, finden sie im Aktiensektor beispielsweise die Telekoms, Versorger usw, die mindestens das fünffache bringen. Dann geht der DAX noch einige Stockwerke höher, als im Wellenchart vermutet.
        Ist auch wahrscheinlich, weil die ja immer alles letztlich falsch machen und dann, wenn sie volle Kanne investiert sind, ist das Sentiment am obersten Anschlag, und der Abstieg kommt, weil es ja, nach Großmann, auf dem Gipfel überall nur noch runter geht. So war es ja auch 2000 und der Abstieg war ähnlich, wie der jetzt anvisierte.

        • Fredmund Malik

          Richtig, und es wird schnell gehen, und die meisten wird es auf dem „falschen Fuss erwischen“.

  12. Jürgen Clasen

    Die Hausse in ihrem Lauf, hält weder Ochs moch Esel auf…
    Es gibt einfach eine Menge Aktien, die mit ihren Renditen die Bunds alt aussehen lassen. In der jetzigen Phase kann der gewöhnliche Fondmanager
    ja auf den Gedanken kommen, dort Gewinne mitzunehmen, um dann in diese Dividendenpapiere zu investieren. Dann geht es noch eine ganze Weile
    so weiter. Es ist ja nicht ihr Geld was sie dafür einsetzen. Deflation ?
    Welche Deflation ? Ich muss noch schnell ein paar Aktien kaufen, die inflationieren, werden ständig teurer. Von diesem Kuchen wollen wir alle
    naschen. CDS auf Griechenanleihen ? Wer den Käse gekauft hat, selbst dran schuld. Es gelten keine Regeln mehr. Notenbanken dürfen nur, wenn überhaupt, erstklassische Papier nehmen. Hahaha. Ist was für Dumme. Dürfen sie doch. Gesetze, sind unbeachtlich. Anarchie ist Trumpf!

    • Fredmund Malik

      Ihrem zweiten Teil stimme ich zu, immer mehr einmal eherne Regeln werden gebrochen. Umso wahrscheinlicher wird der Kollaps des Systems, der – wie bei biologischen Systemen – über Nacht aus heiterem Himmel kommen kann, und ich fürchte auch so kommen wird.
      Eines Tages bei Börseneröffnung einfach so mal 1000 Dow Punkte nach unten, und niemand kommt aus seinen Positionen raus. Die Marginkredite werden fällig gestellt. Am nächsten Morgen oder auch overnight, wieder 1000 Punkte, Panik, Desaster, Bankenpleiten, Bankenruin, das Unheil nimmt seinen Lauf…
      So endigt mit steigender Wahrscheinlichkeit die gerade laufende Hausse.. Heraushalten ist daher meine Devise, die Substanz erhalten!

      • André W.

        Herr Prof. Malik, würde der Handel nicht frühzeitig (und nach den Börsenregeln?) täglich ab einem bestimmten Verlust ausgesetzt und bald eine „Bedenkwoche“ eingeführt mit Null-Prozent-Notfusionen für alle Finanz“institute“? (Nicht, daß dies etwas am Deflationsprozess -/druck ändern würde.)

        • F. Malik

          Die von Ihnen beschriebenen Massnahmen würden natürlich eingesetzt – sie wurden auch schon von 1929 bis 1932 eingesetzt. Damals haben sie nichts genützt; und auch heute werden sie nichts nützen. Als der Handel nach der Pause wieder aufgenommen wurde, sackten die Kurse einfach um das zulässige Limit ins Leere. So wurde auch das Short-Trading immer wieder verboten. Solche Massnahmen verschärfen aber das Problem, denn sie rauben den Märkten das Wichtigste, was in solchen Situationen nötig ist, nämlich liquides Handelsvolumen.