Typischer Kausalitätsfehler – Euro

F. Malik am Montag, 09.01.2012 um 7:57 Uhr
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Im heutigen „Spiegel“ finden wir die Schlagzeile „Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 2010“ und in der Überschrift steht „Griechenland Krise“.

  1. Das eine hat mit dem anderen so gut wie nichts zu tun. Aber der Leser bekommt den Eindruck, der Euro falle wegen Griechenland.
  2. Wogegen fällt eigentlich der Euro? Ja, gegen den Dollar. Warum? Weil der Dollar steigt, nicht weil der Euro fällt. Das ist ein arithmetischer Effekt. Weshalb der Dollar steigt und – nach Korrekturen – weiter steigen wird, steht oft in diesem Blog.
  3. Hat der Euro im Binnenmarkt an Kaufkraft verloren und ist also in diesem Sinne gefallen? Nein.
  4. Warum ist der Stand des Euro gerade für 2010 so wichtig, dass er als Vergleichsmassstab für eine dramatische Schlagzeile herhalten soll?

Dieselbe Schlagzeile-Nachricht werden wir heute noch oft lesen. Die Leitblätter machen es, die Sekundärmedien greifen es auf. Die Welt plappert es nach… Systematische Desinformation – nichts anderes.

Wenn Griechenland Pleite macht, dann hat das weit eher der Währungsfond zuverantworten und die völlig hirnrissigen Auflagen, die man dem Land macht. Und die Banken werden genau gleich abschreiben müssen, wie sie es ohne die Mia-Hilfe an Griechenland hätten tun müssen. Doppelter Verlust: die Staaten verlieren und die Banken verlieren. Die Hälfte hätte man sich sparen können.

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22 Kommentare

  1. MI

    Guten Morgen Herr Professor Malik,

    ich will Sie nicht mit FAZ Artikeln „zumüllen“, fand diesen aber auch sehr interessant und (noch) ein schönes Beispiel für die Ignoranz von wissenschaftlichem Establishment und menschlichem Verhalten:

    Theorie der Kontinentaldrift – Der Weltbildzertrümmerer:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/theorie-der-kontinentaldrift-der-weltbildzertruemmerer-11593944.html

    Mit bestem Gruß

    ps – eine Veröffentlichung dieses Postings ist nur notwendig, wenn Sie diesen Artikel, auch für die anderen Leser, als lesenswert im Sinnes dieses Blogs erachten.

    • A.I.

      Ein schöner Artikel, der mit gut gefallen hat. Auch Heisenberg wäre fast durch seine Doktorprüfung gefallen, weil er nicht wusste, wie ein Akku funktioniert oder wie man das Auflösungsvermögen eines Mikroskops berechnet. Folgerichtigerweise bestand unser Professor im Anfängerpraktikum darauf, dass wir diese Dinge beherrschen, weil man ohne sie keinen Nobelpreis bekommen kann 🙂

      Manchmal irren Experten und der Außenstehende hat recht. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass der Laie jedesmal recht hat. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass der Laie in seiner Argumentation Dinge vergisst, die lange bekannt und gesichert sind.

      Wenn ich etwas höre oder lese, glaube ich erst einmal gar nichts, egal, wer es behauptet. Erst durch schlüssige Argumentation, die zur Wirklichkeit passt, lasse ich mich überzeugen.

      Mein Prüfer in theoretischer Physik hat Modelle für Teilchenkollisionen im LHC entwickelt. Ich hörte ihn einmal sagen: „Hoffentlich passt es nicht ganz, dann kann ich mir endlich wieder was neues überlegen.“

      Die Charaktere sind eben verschieden, der eine tut’s für’s Ego, der andere, weil er etwas über die Welt wissen will.

    • Fredmund Malik

      Die Wissenschaftsgeschichte ist voll von ähnlichen Beispielen. Fast alle Durchbrüche erfolgten gegen oft erbitterte Widerstände der etablierten Akademiker. So verkündete etwa der britische Chirurg Sir John Eric Erichsen 1873 anlässlich der Verleihung des Berufstitels „Herausragender Chirurg“ durch Königin Victoria folgendes: „Der Bauch, der Brustkorb und das Gehirn werden sich Eingriffen durch den weisen und humanen Chirurgen für immer verschliessen“.

      Und ein anderes Beispiel: „Ein unerfahrener Chemiker, der nichts kann“, urteilte der renommierte Professor Wilhelm Ostwald aus Leipzig im Jahr 1900 über den jungen Chemiker Carl Bosch, der dann im Jahr 1931 den Nobelpreis für Chemie bekam.

      Von solchen Meinungen lässt man sich als in der Geschichte kundiger Wissenschaftler nicht beirren, sondern man ignoriert sie oder hat Mitleid mit Kollegen, die anscheinend keine Möglichkeit hatten, rechtzeitig die Geschichte der Irrtümer zu studieren.

  2. Dr. Martin Müller

    Sehr geehrter Prof. Malik,

    Sie schreiben, dass der Währungsfonds eine Griechenland-Pleite zu verantworten hätte. Sind es nicht ursprünglich vielmehr die Griechen selbst, die hier das originäre Verschulden tragen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Martin Müller

    • Fredmund Malik

      Dies stimmt schon, aber die Lösungen hätten ganz anders sein können und müssen. Die schädigenden Lösungen hat die dogmatische Ökonomie des IMF zu verantworten.

  3. Gordon Gecko

    @:“Doppelter Verlust: die Staaten verlieren und die Banken verlieren. Die Hälfte hätte man sich sparen können.“,

    Genau!
    Das wäre das Gleiche. als wenn ich meinem hoffnungslos überschuldetem Schwager, der kurz vor der Insolvenz steht, 50000 Euro leihe, weil er mich so innig bittet und ich weich werde. Völliger Blödsinn sowas zu tun. Da rate ich ihm doch eher, mache Privatinsolvenz(also bei seinen Gläubigern vergleichbar mit der Abschreibung der Banken), möglichst noch in London, und Du bist in 1 Jahr schuldenfrei und ich gebe Dir danach die 50000 für einen Neustart.Denn ob er nun mit 1 Mio oder mit 1 Mio und 50000 pleite geht, ist doch völlig egal(ihm jedenfalls), ist doch nur ein Buchungssatz mit verschiedenen Ziffern. Der einzige Dumme dabei wäre ich weil meine 50 k€ weg wären.

  4. Dr. Martin Müller

    So leicht ist das leider nicht, da der Schuldenschnitt uns auch betrifft. Es muss also abgewogen werden, was für ALLE Beteiligten nachteilhafter ist.

    • Fredmund Malik

      Das stimmt schon, nur geht das Abwägen mit den herkömmlichen Methoden länger als der „Patient“ noch überleben kann. Also ist der Schaden eben doppelt so gross, als er sonst wäre.
      Nur mit neuen Tools, wie mit unseren syntegrativen Sozial-Technologien geht es schnell genug, die optimalen Lösungen zu finden und diese auch rasch und wirksam genug umzusetzen. Mehr in vielen Einträgen und Anworten…

  5. HB

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Malik, sehr geehrte Bloger,

    schlussendlich stehen immer wieder Menschen am Ende einer Verteilungs- und Kommunikationskette. Dieses Verhalten wird immer studiert, dokumentiert und dargelegt. Darunter viele Menschen, deren Verhalten in 600 verschiedenen Verhaltenstudien erkundet werden. 600 Fallbeispiele vs. 6 Mrd. Menschen, wir verlassen die Prozentebene und divideren es entsprechend…
    Es gilt jetzt Instrumente, Kommunikationen, die global alle erreichen, und Neuorientierungstools zu verwerten oder allen nutzbar zu machen, möglichst vielen ein für jeden einzelnen erklärbares, verständliches und seiner Situation angepasstes „Erklärendes Maß“ an Verständlichkeit rüber zu bringen, damit er/sie für sich und seine Familie ein zufriedenes Leben führt, jedoch immer viele Chancen hat, die er verwerten könnte.
    Die größte Verunsicherung vieler Institutionen, ist die das man nicht weiss, wie sich Menschen, einzelner Völker verhalten.
    Es ist nach den 3 Welt; heute die Griechen, morgen ggf. die Italiener und übermorgen wieder weitere Menschen.
    Die Familie, der vorgestern ihr Land, gestern ihr Dach, heute Ihre Nahrung und morgen sogar alle Statuten…

  6. HB

    ….oder feinzelne für uns selbstverständliche Statuten, der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Ressolution 217 A der Gerneralversammlung vom 10 Dez. 1948 aufgeben hat müsssen – kann sich kaum mehr in 600 Fallstudien erklären lassen – und steht wenn er noch kann auf.
    Das ist momentan der Moment der „Transformation“ vom Alten in die Neue Welt; sicher wird das eine halbe Generation in Anspruch nehmen.
    Gut ist das ich jung genug bin, um daran teil zu haben und alt genug die Erzählungen meiner Großmama zu kennen und mir, wie Millarden anderer mir wünsche, das sich rasch was ändert – und mir sicher bin, dass viele aufstehen, wenn die Kommunikation und die verlähmten Handlungen so fortfahren.

    Ein Freund sagt immer das ganze Geld ist weg (vielleicht übertrieben), aber ich weiss, die Erträge sind abgetragen am Ende des Quartals, des Halbjahres und ganz abgetragen (YTD Vorjahr) am Ende jeden Jahres.
    100% des Ertrag erwirtschaftet und 1-4% werden zurück gespühlt, getropft – der Rest wandert ab um weiterhin Geld in unmodernen, nicht zeitgemäßen schwarzen Löchern zu versenken und Lecks aufzufüllen –

    Es gilt sich rasch für sich eine Übersicht der Komplexität zu verschaffen.

  7. Jürgen Clasen

    Wir stecken in einem echten Dilemma. Scheidet GR aus der Eurozone aus, kann es zu Dominoeffekten kommen,
    deren Folgen heute noch niemand abschätzen kann. Verbleibt GR, muss es sparen auf Teufel komm raus, weil für
    eine Fortsetzung des Bisherigen niemand zahlen will. Natürlich wäre es optimal wenn GR und die anderen
    „Schlawiner“, neben der Sparpolitik, zu einem besseren Funktionieren kommen würden. Allein in GR dürfte es eine echte Herkulesaufgabe sein, diesen Augiasstall auszumisten und die Steuerfahndungsmaßnahmen in I zeigen, das es dort auch nicht viel besser zugeht als in Hellas. Allerdings bin ich persönlich der Auffassung, das man diesen
    echt reichen Griechen usw mit ihren Jachten und Ferraris mal echt an die „Eier“ geht. Nicht nur Steuern erheben, sondern auch nacherheben, Steuergeld aus der CH zurückholen usw. Wenn immer nur der „kleine Grieche“
    geschröpft wird, ist es ungerecht und bald auch politisch explosiv. Ein Dauerleck bei den Nettozahlern ist aus den gleichen Gründen nicht hinnehmbar.

    • Fredmund Malik

      Wir verhandeln mit griechischen Regierungskreisen über den Einsatz unserer Syntegrationen. Die regelmässig aufgriffene „Schlawinerei“ der Griechen ist weniger gross, als es in unseren Medien kolportiert wird.

      • Jürgen Clasen

        Es erfreut mich, das man Ihre Tools möglicherweise einsetzen wird. Sollten sie durchschlagenden Erfolg haben, ist es für alle Beteiligten von großem Nutzen. Auch ich selbst sehe mich
        hier als Teilhaber an, denn ich werde als Steuerbürger weniger belastet!Die angesprochene „Schlawinerei“ halte ich für das größte Problem. Es dürfte bei den Griechen, und nicht nur denen, inzwischen Genveränderungen hervorgerufen haben…
        Jedenfalls die Nagelprobe, ob besseres Funktionieren zwar angenehme Eigenschaften entwickelt, aber zumindest vorläufig eine
        wirtschaftliche Kontraktion erzeugt. Ohne Moos, nix los…
        Haushaltsdefizit bei 10% des BSP. Das kriegt man nicht so einfach
        weggedrückt. Eine faire Chance gibt es nur, wenn die theoretischen
        Steuern und Abgaben auch in Praxis annähernd erreicht werden. Um die Gesellschaft zusammenzuhalten, müssten die Kräfte, die bislang
        ihre Verpflichtungen wegdrücken können zum Mitmachen gebracht werden. Glaub ich eher nicht…Versuch macht klug!

        • Fredmund Malik

          Ob es klappen wird, Herr Clasen, kann ich noch nicht sagen.

  8. Sebastian

    Hallo Herr Malik,

    Nachdem ja vor kurzem tatsächlich negative Zinsen bei der Staatsanleihen-Versteigerungen erzielt wurden, vermisse ich ernsthafte Analysen in den Medien. Vorallem fehlt immer wieder die Erklärung, warum eine Bank das Geld nicht einfach „unters Kopfkissen“ legt, sondern die negativen Zinsen akzeptiert.

    Für mich riecht das alles nach Deflation, ich kann es nur nicht genau erklären.

    • Fredmund Malik

      Die nötigen Erklärungen finden Sie hier im Blog und auf meiner Website

  9. Jürgen Clasen

    Als dieser Tage gemeldet wurde, es gäbe in GR Verbrecher, wie z.B.
    Phädopile, die auf Grund dieses Status Vorteile geniessen, dachte ich, eh, das darf irgendwo nicht wahr sein. Da läuft ein gänzlich gruseliger Film ab. Möglicherweise eine gezielte Desinformation? Jetzt liest man, den Gläubigern wird Zwangsverzicht angedroht. Ja, die sind gänzlich von allen guten Geistern verlassen! Es wird nun wirklich Zeit die Götter vom Olymp zu holen. Nur eine kreative Zerstörung dieses Systems kann dort
    besseres System hervorbringen. Was ist hier kreativ ? Keine Knete mehr von den hart arbeitenden Malochern. Null!Finito!Macht Euren Dreck alleine!

    • Fredmund Malik

      Vermutlich läuft es auf einen Totalverlust der Gläubiger hinaus. Griechenland wird Bankrott erklären und neu beginnen. Mit neuen Tools wird sich das Land dann aber rascher erholen können als die meisten anderen.

      Das wird der Anfang einer ganzen Reihe von Staatsbankrotten, und als Folge dessen auch von Bankenbankrotten sein. Durch eine längst veraltete globale Ökonomie und eine rat- und hilflose Welt-Politik wurden 3 wertvolle Jahre versäumt. Statt mit innovativem Denken und neuen Tools hat man die Lösung von jenen Mitteln erhofft, die in Wahrheit die Ursachen des globalen Debakels sind.

      • Hubert Lingg

        Oh je, das klingt ja wirklich düster. Trotzdem vielen Dank! Eine (vielleicht dumme) Frage zum drohenden Staatsbankrott Griechenlands: werden dann eigentlich alle „griechischen“ Euroscheine (die mit der NZB-Länderkennung Y in der Seriennnummer) als Euros wertlos, d.h. müssen diese dann in Drachme umgetauscht werden? Darauf muss man ja achten, wenn man Vermögen in Bargeld umwandelt.

        • Fredmund Malik

          Eine wichtige Frage… die technische Abwicklung kann man schwer vorhersehen. Als Politiker würde ich diese Scheine weiterhin gültig halten, denn die umlaufenden Scheine der griechischen Notenbank machen sicher keine grosse Summe aus. Das Problem sind nicht die Noten, sondern die Schulden bzw. Forderungen.

      • JB

        Ein Staatsbankrott Griechenlands mit Gläubigerverzicht wäre durchaus ein logischer Schritt, schliesslich läuft es bei Privatfirmen (zumindest bei denen mit beschränkter Haftung) genauso.
        Man sollte nicht so sehr mit dem Land und seinen Leuten hadern, Emotionen bringen da nicht viel. Meiner Hausbank würde ich aber schon raten, beim nächsten Mal die Bonität ihrer Kreditnehmer besser zu prüfen. Einen Kredit,bei dem absehbar ist, dass er „toxic“ wird, vergibt man eben nicht, da ist auch der Gläubiger in der Verantwortung, vor allem, wenn er selbst wiederum mit Kundengeldern wirtschaftet.
        Und Kriege gewinnt man nicht, wenn man sie aufschiebt (im übertragenen Sinne gemeint). Nun liegt das Kind eben im Brunnen, und man muss sehen, dass man halt irgendwie das Beste daraus macht. Einer Anwendung der Syntegration zur Rettung Griechenlands würde ich mit Spannung verfolgen, das wäre mal wirklich eine sportliche „Challenge“ für die Malik Management Tools.

        • Fredmund Malik

          Vor allem wäre es auch eine Herausforderung an die Welt, herkömmliche Ökonomie und abgenutzte Politik neu zu überdenken.