Deflation und NZZ

F. Malik am Montag, 02.12.2013 um 14:57 Uhr
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Herr Gmür schickt uns diesen Link, den ich allen zugänglich machen möchte, weil der Autor des Artikels im 2. Absatz zeigt, dass er die Deflation gar nicht verstanden hat. Noch schöner kann man es kaum demonstrieren.
So ist es auch bei so gut wie allen Kommentatoren, jenen die ein Defla-Szenario für möglich halten und auch jene, die es als unwahrscheinlich ansehen.

Gute Nacht, Ökonomie …
Meine LeserInnen wissen es besser.

http://www.nzz.ch/finanzen/aktien/uebersicht_aktien/droht-europa-ein-japanisches-szenario-1.18195982

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16 Kommentare

  1. Jürgen Clasen

    Heute gibt es wieder schwere Schläge gegen die EM. In diesem Bereich ist auch keine Regierung und Notenbank, die sowas abwehrt oder abmildert. Einzig die Aktienbörsen handeln von einer heilen Welt. Aber sie laufen in einen Sättungungbereich und es fehlt nur noch der überraschende schwarze Schwan,um die Umkehr der Kurve einzuläuten.
    Meine Standortbestimmung ist klar: Der Zenit ist überschritten.
    Neue Höchststände sind irre. Dafür werden die Anleger schwer bluten. Bitcoins…1000 $ wert. Bitte spekuliert weiter damit, am besten
    mit Kredit, lohnt sich doch! Tulpenzwiebeln…haben sich auch gelohnt,
    für diejenigen die rechtzeitig die Reißleine gezogen haben. Ich wiederhole
    mich: Viele sind berufen, wenige sind auserwählt…

  2. Walter Huber

    Viel Therorie und Vergangenheit in der NZZ. Und von „guter“ und „schlechter“ Deflation zu schreiben ist ja auch ein bißchen absurd. Zum Geldanlegen darf ich einen Freund zitieren: „Aha, ich hatte verstanden, wenn ich einen Krdit oder ein Darlehen brauche, möchte die Bank die doppelte Sicherstellung dazu. Wenn ich diese aber hätte, bräuchte ich keinen Kredit …“. Wir haben simpel in dieser neuen Normalität der heutigen Zeit ein wirklich falsches Finazierungs-System aller Banken. Die einen geben Geld mit null Sicherheit und finanzieren Wahnsinnsprojekte (Beispiel Österr. Hypo Alpe in Kroatien usw.). Und andere geben Geld nur mit doppelter und dreifacher Sicherheit. Von Start Up Unternehmen bis Jungfamilien, die bauen wollen. So kann das nicht funktionieren. Wobei ja Privatinvestoren in diese Lücke bereits einspringen und überall interessante Start Ups finanzieren. Oder so wie google und Microsoft dann einfach (auf)kaufen. Wie gesagt, ein wirkliches Problem werden die steigenden Arbeitslosen, für die niemand auf dieser Erde eine wirkliche Zukunftslösung hat. Diese menschliche Dimension halte ich für relevanter als die Finanzthemen.

  3. Ert

    Sehr geehrter Herr Huber,

    zum Thema Arbeitslosigkeit durch die nächste – und Brutale! – Automatisierungswelle empfehle ich: „Arbeitsfrei“ von Herrn Rieger und Frau Kurz (Chaos Computer Club) – hier auch kurz in einem FAZ Artikel:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/constanze-kurz-und-frank-rieger-arbeitsfrei-wo-du-hingehst-da-will-auch-die-maschine-hingehen-12622669.html

    Ich habe Herrn Rieger letztens Live erleben dürfen als er zu diesem Thema sprach und selbst mich, der sich als gut Informiert hält, hat es teilweise die Sprache verschlagen wo die nächste Generation der Automatisierung bereits angewendet wird und was in der nächste Dekade bereits konkret absehbar ist. Das ist alles schon mit dem Rotstift anhand der Personalkosten kalkulierbar. Sogar Tätigkeiten von Sportredakteuren sind aktuell schon automatisiert – Berichte werden z.B. aus den Metadatensätzen der Spiele generiert.

    Dieses ist für mich ebenfalls eine „deflationäre“ Welle – weil dadurch die Arbeitslosigkeit steigen wird und die insgesamt gezahlten Arbeitslöhne sinken werden. Bleibt der „Automatisierungsgewinn“ voll beim Unternehmer, dann sprengt das unsere Sozialsysteme.

    • F. Malik

      Danke für den Link. Was Sie schreiben, gehört alles mit zur „Grossen Transformation 21“ – und führt mit zur Deflation.
      Als ich 1997 erstmals in einem Buch über diese schrieb und auch diese Bezeichnung schon verwendete, hat man das noch in die Science Fiction verschoben. Denn wir hatten ja gerade den grossen New Economy-Boom.

      Damals schrieb ich sinngemäss: Alles was Menschen tun, wird sich verändern – was sie tun und wie sie es tun. Was und wie wir produzieren und konsumieren, transportieren und distribuieren, kommunizieren, lernen und lehren usw.
      Von diesem Szenario lasse ich mich leiten – und viele Führungskräfte, die bei mir gelernt haben.

      Als die vier Haupttreiber dieser Transformation habe ich dargestellt: Demografie, Technologie, Ökologie, Ökonomie – und hier der Hauptfaktor, die Schulden, die wiederum Treiber der Deflation sind. Daraus ergibt sich als Generalherausforderung: die überbordende Komplexität der global vernetzten Systeme und der sich selbst treibende und verstärkende Wandel.

      Wir werden als Folge dessen noch viel mehr Knowledge-Work brauchen und haben – sowie neue Tools und Methoden, ein neues Mangagement, wie ich es im Blog oft anspreche und in meinen Büchern darstelle.

  4. A.I.

    Ich bin zufällig auf Hjalmar Schachts „Magie des Geldes“ gestoßen, in denen er aus seiner Erinnerung die Gegebenheiten der durchaus wechselvollen Geschichte der Reichsbank, der Hyperinflation und dem Zusammenbruch nach der Kriegswirtschaft schildert.

    Hierbei erklärt er auch das MEFO-Wechsel-System.

    Ich muss sagen, gerade durch den Hintergrund, den ich durch die Beschäftigung mit diesem Blog bekommen habe, kann ich seine Ausführungen besser einordnen.

    Ziemlich sicher hätte er das heutige Bankensystem mit der ungebremsten Kreditschöpfung schärfstens kritisiert.

    Überhaupt machen mir Schachts Ausführungen eines eindringlich klar: Man muss unbedingt unterscheiden zwischen Geldforderungen bzw. Geldschöpfungen, die aus wirtschaftlicher Leistung erwachsen, und Kredit. Das ist absolut nicht dasselbe!

    Darauf weist Prof. Malik ja immer wieder hin in seinen Postings. Es ist ein recht abstrakter Unterschied, denn im praktischen Gebrauch kann man ja nicht unterscheiden zwischen „Kreditgeld“ und „Leistungsgeld“ -beides wird als Bezahlung akzeptiert.

    Deswegen haben MEFO-Wechsel nicht zur Inflation geführt, weil sie an Leistung gekoppelt waren und das von der Reichsbank auch geprüft wurde.

    • F. Malik

      H. Schacht war einer der wenigen, der die Wirtschaft und das Finanzwesen verstanden hatte.

      • C. M.

        Sehr geehrter Herr Malik,

        Schacht war ja im Dritten Reich kein Unbeteiligter und vertrat auch in der Nachkriegszeit rechte Positionen. Hr. Heinsohn ist als Auto der „Jungen Freiheit“ aufgeführt.
        Ich würde mich freuen, wenn Sie selbst sich von rechtsextremen und rechtem Gedankengut und Positionen (bspw. auch der oben genannten Personen) distanzieren würden.
        Vielen Dank.

        Mit freundlichem Gruß

        • Jörg Beier

          Sehr geehrter C.M., was haben sie gegen rechts? Es gibt doch auch links! Im übrigen geht es hier in diesem Blog um Sachfragen , wohltuend befreit von politischer Ideologie. Und die junge Freiheit ist eine Zeitung wie die TAZ, ob sie da immer mit dem Inhalt übereinstimmen , ist nicht von Bedeutung . Ihren Vorwurf gegenüber Herrn Heinsohn ist nahezu lächerlich. Er sucht halt grad nicht nach politischen Lösungen , sollte ihnen dieser Ansatz nicht gefallen gibt es im web Blogs die ihnen sicher besser liegen, ich lese da auch mit, fühle mich hier aber wohler.

        • A.I.

          @ C.M.

          Es geht hier nicht um rechtsextremes Gedankengut. Schacht ist mit Sicherheit kein Radikalkommunist à la Stalin gewesen.

          Aufgrund seiner Ausführungen sehe ich ihn als Erzkonservativen kaiserlicher Prägung, sicherlich im heutigen politischen Spektrum am rechten Rand der CSU.

          Ob er nun mit den Nazis sympathisierte oder nicht – er war ein absoluter Finanzfachmann, und darum geht es hier.

          Nazi-Ärzte haben mit als erste herausgefunden, dass Rauchen sehr schädlich ist und einen Zusammenhang mit Lungenkrebs hergestellt.

          Ist heute ein Arzt, der seinen Patienten vom Rauchen abrät, ein Nazi, weil die Nazis Kampagnen gegen das Rauchen geführt haben?

          Etwas kann sachlich richtig oder falsch sein, unabhängig von der politischen Überzeugung des Proponenten.

          Es sind doch auch linke Politiker, die kritisieren, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden.

          Wenn Schacht nun dafür eingetreten ist, dass zur Gewinnaussicht auch Risiko und Haftung gehören, darf man das nicht mehr sagen, weil Schacht Reichsbankpräsident unter Hitler gewesen ist?

          Muss man jetzt gegen privatwirtschaftliche Haftung sein, weil Schacht das ausgesprochen und unter Hitler gedient hat?

        • F. Malik

          Ich kann mich nicht erinnern, jemals auch nur annähernd rechtsgerichtete oder gar rechtsextreme Positionen vertreten zu haben, oder solche, die man in diese Richtung deuten könnte. Im Gegenteil war ich immer gegen totalitäre und dogmatische Haltungen – und zwar unabhängig von deren politischer Polarität. Ich habe überhaupt nie eine ideologische Richtung vertreten.
          Von rechts- oder linksgerichteteten Positionen ganz unabhängig kann jemand aber ein Kenner der Wirtschaft sein.

  5. A.I.

    Es ist also klar, dass übermäßige Geldschöpfung aus Kredit zu Inflation führen muss. Da aber die umlaufende Geldmenge verzinst ist, kann es gar nicht anders kommen, als dass eines Tages die Zinsforderungen bei weitem das übersteigen, was aus Leistung bezahlt werden kann.

    (Wenn die Kreditgewährung übertrieben wurde. Aber davon kann heute durchaus die Rede sein.)

    Interessant finde ich, was Schacht über die Verantwortung der Bankiers geschrieben hat. Er habe bei den amerikanischen Bankern interveniert und davor gewarnt, dass die Kreditvergabe an Deutschland höchst gefährlich und unverantwortlich sei, da die Forderungen angesichts der Kriegs- und Reparationslasten ungedeckt waren.

    „Der Fehler dieser überreichlichen Kredithergabe lag einmal darin, daß die Kredite nicht immer zu wirtschaftlicher Verwendung führten, sondern zur Bestreitung von Aufwendungen, die keinen unmittelbarproduktiven Ertrag hatten.“

  6. A.I.

    An die Griechen gerichtet sein könnte dieser Satz: „Zu den Abwegen der Geldpolitik gehört die Inanspruch-
    nahme von Krediten, über deren Rückzahlungsmöglichkeit man sich in leichtfertiger und verantwortungsloser Weise keine Gedanken macht.“

    Und an die Politiker von 2008:
    „Die Art, wie der Bankenzusammenbruch von 1931 seitens der Interessenten und der Reichsregierung behandelt wurde,hat auf das stärkste zur Diskreditierung der privatkapitalistischen Wirtschaft beigetragen. In welchem Grade sich die Schulddafür auf Private, Reichsbank und Regierung verteilt, mag dahingestellt bleiben.

    Die privatkapitalistische Wirtschaft hat nur dann eine Berechtigung, wenn die Unternehmer nicht nur den Nutzen ihrer Geschäfte einstecken, sondern auch für die Verluste geradestehen.

    Die Geschäftsinhaber der Danat-Bank hafteten satzungsgemäß für Verluste der Bank mit ihrem Vermögen.Sie wurden nicht herangezogen, sondern gingen infolge der Staatsgarantie für die Kreditoren frei aus.“

    Case in Point, Prof. Malik: Ich teile Ihre Auffassung, dass Mangel an geschichtlichem Wissen ein echter Engpass zur Beurteilung der Lage ist.

    • F. Malik

      Zwei Semester die richtigen Teile aus der Geschichte würden 4 – 6 Semester Ökonomie ersetzen.

  7. A.I.

    Ich hoffe, das Publikum verübelt mir nicht meine heutige Mitteilsamkeit.

    Deflation in Griechenland bereits voll im Gange:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/rezession-in-griechenland-purzeln-die-preise-12702227.html

    • Ropeka

      A.I.
      Vonwegen Verübeln: Das macht Sinn und bringt jeden ein Stück weiter.
      Ein Aspekt der Geldschöpfung möchte ich hinzufügen. Wenn Geldschöpfung aus Kreditvergabe in produktive Investitionen erfolgt, ensteht werthaltiges Geld, weil mit Eigentum des Kreditnehmers besichert. Richtig, die durch geringen Mindestreservesatz gehebelte Form der Geldschöpfung -auch wenn nur in produktive Investition- hat Zinsforderungen zu bedienen. Doch solange Kredit- und damit Geldschöpfung in diesem Bereich geschieht, werden z. Bsp. Preisschwankungen in einem Maße ausgeglichen, die keine massiven Fehlallokationen zur Folge haben. Folglich ist hauptsächlich der Staat und die Notenbanken für Inflation verantwortlich, denn diese fördern leistungslose Investitionen (Noenbanken leihen Banken Geld um in Vermögenswerte zu investieren und Nachfrage zu entfachen wo es unter freien Marktbedingungen nie solche Nachfrage gäbe). Im übrigen haben wir bereits Inflation schon seit längerem. Der reale Kaufkraftverlust der Einkommen ist seit Jahrzenten abwärtsgerichtet, was keinem auffällt weil es in der Zeitung ja anderst publiziert wird.