Leistungsunterschiede PISA Ergebnisse – Antwort von Prof. Dr. Heinsohn auf ein User-Posting

fredmund.malik am Donnerstag, 02.01.2014 um 14:30 Uhr
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Prof. Dr. Heinsohn hat am 20. Dezember auf folgendes Posting von User John Rambo vom 18.12.2013 geantwortet. Sie können seine Antwort in der rechten Randspalte oder direkt hier lesen.

 

“Im Zusammenhang zu den Pisa Ergebnissen sollte es Herr Prof. Dr. Dr. Heinsohn aber nicht unerwähnt lassen, dass in Ländern wie Shanghai für Schüler nicht selten ein geradezu mörderischer Leistungsdruck besteht und es nicht selten zu Suizid kommt aufgrund der extrem hohen Anforderungen in der Schule. Das erscheint mir ein recht hoher Preis für ein gutes Pisa-Ergebnis. Die Aussage: “Dass Amerika sich sehr warm anziehen muss mit 50% aller Babys bei Leuten, die als 17-Jährige das Niveau 13-jähriger Whites und 12-jähriger Asians haben” habe ich nicht so ganz verstanden. Geht es hier um die Schwarze Bevölkerung der USA, der einige Wirrköpfe bekanntlich einen unterdurchschnittlichen IQ attestieren?”

Hier ist eine Klarstellung bzw. sehr klare Distanzierung von derartigem Gedankengut angebracht.“

John Rambo, 18.12.2013

 

 

Antworten

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39 Kommentare

  1. Jürgen Clasen

    Die Begabungen und Fähigkeiten der Menschen sind sehr unterschiedlich! Das festzustellen ist Wissenschaft und kein Rassismus! Wir sollten untersuchen
    warum das so ist, und ob wir letztlich daran was „drehen“ können. In letzter Konsequenz bedeutet Leben, ständige Auslese, die Bestangepassten kommen dabei weiter. Es wird aus meiner Sicht dort ein breites Band geben. Handwerklich Begabte gehören dazu, wie auch natürlich Mathegenies. Die-
    jenigen die nichts auf die Kette kriegen gehen langfristig (!) unter. weil wahrscheinlich auch der letzte Gutmensch das eigene Überleben über ein
    selbstzerstörerisches industrielles Solidarwesen stellt.

    • Stefan Ludwig

      Gar nichts auf die Kette kriegen ist meiner Ansicht nach nur dann gegeben wenn ein Mensch sehr schwere Handicaps zu tragen hat. Alle anderen Menschen können etwas lernen und damit produktiv sein. Ich sehe das als eine der Herausfordernungen an die Genies: Wie kann Gesellschaft gestaltet werden damit fast alle etwas auf die Kette kriegen können! Heinsohns Vorschlag auch in der BRD Sozialhilfeleistungen zeitlich zu begrenzen weist in die richtige Richtung. Und ein weiterer Teil der Genies soll analysieren wie man die achievement-gap tatsächlich kleiner bekommt. In Schweden wurde ein Experimenz unternommen:
      Eine wirklich sehr schlechte Klasse bekam die besten Lehrer des Landes. Ziel in den Abschlussprüfungen zu den 5 besten Klassen in ganz Schweden gehören. Das Ziel wurde erreicht. So Genies: jetzt geht es darum zu analysieren welche Faktoren sind hier besonders WIRKSAM?! Ich empfehle dazu auch den Epilog „Terra 2“ aus dem Buch „Lernen“ von Prof. Manfred Spitzer.

      Mit freundlichen Grüßen

      Stefan Ludwig

      • Jürgen Clasen

        Viele von denjenigen, die nichts auf die Kette bringen, ist die leistungslose, lebenslange Stütze schädlich . Dieses System lähmt
        die Eigeninitiative und sie kommen in einen Teufelskreis mit schlechten Lebensumständen. So kam man drauf, das fordern und fördern der richtige Weg sei. Ist auch völlig richtig, aber zwecklos, wenn das Geforderte nicht geliefert wird und folgenlos bleibt. Schlüssel bleiben die alten ewigen gesellschaftlichen Werte und deren Vermittlung im Elternhaus ergänzt durch Kitas, Schule. Akademische Laufbahnen sind gesellschaftlich überbewertet.
        Ein ordentlicher Handwerker, Meister, ist oft besser gestellt, als
        die „Lateiner“. Wenn es zur Selbstständigkeit reicht, ist man sein eigener Herr und hat zumeist auch ein beachtliches Einkommen.
        Ok, er kann vielleicht keine große Mathematik. Das interessiert
        später keine S..

    • John Rambo

      Es gibt viele Faktoren zum Beispiel das Elternhaus. Es studieren wesentlich mehr Kinder aus Akademiker Familien als aus Arbeiter Familien. Das liegt nicht an mangelnder Intelligenz sondern an mangelnder Förderung.

      ein gutes Beispiel ist ein Cousin von mir. Er hatte in früher Kindheit einige Lernprobleme und war auf einer Förderschule.

      Dank viel Zuwendung und Förderung hat er nun sein Studium beendet. Bei einer armen Familie wäre das eher in Richtung Hauptschulabschluss und Ausbildung gegangen. Da gibt es weniger Ressourcen. Da wird abends nicht ins Theater gegangen sondern es gibt 15 Stunden Fernsehen. Und auch keinen Urlaub in der Südsee sondern einen Spaziergang in der Plattenbausiedlung.

      • F. Malik

        Es geht weniger ums Fördern, als mehr ums Fordern. In den unteren Einkommensschichten fordert das Leben und die Lebensumstände. Ich kenne viele, die gerade aus ihren „schlechten“ Bedingungen hervorragende Erfolge gemacht haben.

        • Peter J

          Leider genügen die Forderungen des Lebens nicht immer. Es gibt ja unendlich viele Möglichkeiten auf diese Forderungen zu reagieren. Z.B kann man sich solchen Forderungen ein Leben lang verschliessen…

          Mindestens ebenso wichtig sind die sozialen Kontakte die man in jungen Jahren pflegt. Bei mir war es dieser Faktor, der auschlaggebend war, dass ich den akademischen Weg einschlagen konnte. In unteren Einkommenschichten ist es oftmals schwieriger zu solchen Kontakten zu kommen.Auch deshalb ist es für Leute aus unteren Einkommensschichten schwieriger, in ein akademisches Berufsfeld zu gelangen.

          Vielen Dank, Herr Malik, für diesen Blog. Er erlaubt mir viele Geschehnisse unserer Zeit in ein grösseres Bild einzuordnen.

          • F. Malik

            Damit haben Sie natürlich Recht und ich freue mich für Sie und mit Ihnen, dass es Ihnen erfolgreich gelungen ist, eine Universität zu besuchen. Dazu gratuliere ich Ihnen.

  2. Bert Raeymaekers

    1)Die PISA-Ergebnisse sind ein Hinweis auf qualitative Probleme im Unterrichtssystem, und nicht in den Köpfen unterschiedlicher Kulturen. Sehr wohl ist festzustellen, dass es weltweit Unterschiede in der Motivations- und Leistungskultur gibt. Ziel des Unterrichtssystems ist einerseits die persönliche Entwicklung jedes Individuums, andererseits die Basis für eine nachhaltige Gesellschaft. Beim letzten Punkt wird es komplex, weil hier die Unterrichtssysteme berührt werden.
    So lange Unterrichtssysteme ohne ernsthaftes Qualitätsfeedback laufen können; so lange Lehrkräfte ausgebildet werden mit dem persönlichen Hauptziel, irgendwann den Beamtenstatus zu erlangen, und nicht in der Industrie arbeiten zu müssen, dann ist mit dem Unterrichtssystem hier etwas falsch.
    2) In belgischen Schulen habe ich erlebt, dass Schüler durchaus Spitzenleistungen erreichen können, wenn die Lehrkräfte sich anstrengen, den Unterricht spannend zu gestalten, wie z.B. in Projekt-Unterricht. Das verlangt aber einerseits einen hohen Einsatz der Lehrkräfte, und ein taugliches Inspektionssystem (Q-Feedback).
    3) Die Güte der Ausbildung für die Gesellschaft ist mit linearen Mitteln (PISA) eher nicht messbar.

    • F. Malik

      Das Bildungssystem und seine Organisationen gehören in den meisten Ländern zu jenen gesellschaftlichen Systemen, deren Effektivität und Funktionieren am stärksten verbessert werden müssen. Reformen genügen aber nicht. Dafür müssen sie tiefgreifend transformiert werden. Mit heutigen Mitteln ist das Bildungssystem, insbesondere die Universitäten, unmanagable. Das gilt auch für die USA, deren wenige Eliteuniversitäten nicht repräsentativ für das Gesamtsystem sind.

      • Bert Raeymaekers

        Danke für die Antwort, Herr Professor Malik!Ich sehe das alles genau so wie Sie. Wo ich tätig bin (chemische Industrie) haben wir auch schon versucht, mit Hochschulen kreative Projekte zu generieren, um eine nachhaltigere Basis für unseren Nachwuchs zu schaffen. Solche integrierten Initiativen, die für die Studenten äußerst interessant wären scheitern einfach an starren Strukturen, Mainstream-Thinking und Eitelkeiten von ´Lokalfürsten´. Wenn Politiker ernsthaft bereit wären, hier andere Wege zu gehen, könnte man z.B. mit Ihren Methoden hier sicher vieles erreichen. Aber in der Problematik müssen viele Stakeholder abgeholt und eingebunden, und manche heilige Häuschen zerstört werden… Mal sehen, wann der Leidensdruck groß genug ist.

        • F. Malik

          Leider ist vielorts so, wie Sie es beschreiben. Gerade daran erkennen wir – sie sagen es klar – aber auch die noch völlig ungenutzten Potentiale. Deren Heben ist eine grosse Herausforderung und es wird nicht überall gelingen. Mit den geeigneten Methoden – wofür ich einige entwickelt habe – und genügend grossem Leidensdruck wird sich aber mehr bewegen lassen, als wir uns heute vorzustellen vermögen. Der Leidensdruck allein würde dafür noch nicht ausreichen. Auch die Tools sind nötig. Diese sind die Hebel für jene die wirklich wollen. Mit ihnen machen wir aus dem Wollen ein Können.

  3. Uschi Bruckmayer

    Sehr geehrter Herr Prof. Heinsohn! Machen wir es pointiert: Haben Sie selbst den Leistungsdruck erlebt, den Kinder in Asien erleben? Wenn ja, ziehe ich den Hut vor Ihren gewagten Thesen. Wenn nein: Meine wenigen persönlichen Erfahrungen vor Ort haben mich eher vor dem radikalen (!) Leistungsdruck verschreckt als positiv beeindruckt. Mit freundlichem Gruß, U. Bruckmayer

    • fredmund.malik

      Antwort von Prof. Dr. Gunnar Heinsohn vom 05.01.2014:

      Verehrte Frau Bruckmayer!

      Lassen Sie mich zu Ihrer Pointierung eine Pointe versuchen: Wenn die ostasiatischen Dauersiegerplätze bei PISA und TIMSS aus Leistungsdruck erwüchsen, hätten wir es ja leicht. Wir müssten nur den Leistungsdruck kopieren und schon hätten wir wieder die Nase vorn.

      Bis rund 1875 hingegen hatten die Ostasiaten es leicht. Sie mussten nur uns kopieren, also lediglich eine Eigentumsgesellschaft aufbauen, und schon würden sie mit uns gleichziehen. Zuerst geht Japan (1875) und zuletzt China (1978) diesen Weg. Und nun beobachten wir, dass man in Ostasien nicht nur mit den alten Eigentumsgesellschaften gleichzieht, sondern etliche von ihnen bereits überholt. Zugleich schaffen dutzende anderer Länder, die nach 1945 ebenfalls ins Eigentum eintreten, solche Erfolge nicht. Irgendetwas muss für diesen Unterschied verantwortlich sein.

      Hier ist also ein Faktor am Werk, dessen Wirken wir messen, aber noch nicht verstehen können. Wir sehen zugleich, dass er auch in fremden Umfeldern stabil bleibt. Wenn zu uns Kinder aus Gebieten kommen, die durch relative Armut, fremde Alphabete, Sprachen und Religionen sowie auch noch durch in der neuen Heimat verspottete Gesichtszüge gekennzeichnet sind, erwarten wir im Normalfall ein schlechtes Abschneiden in den Schulen. Das tritt oft genug auch ein. Doch bei Ostasiaten können all diese Handicaps nicht verhindern, dass sie etwa in den USA und Kanada, wo man so etwas misst, in den harten Fächern sehr schnell selbst die am besten behüteten und geförderten Kinder der Einheimischen überholen.

      Hier wirkt also – lassen Sie mich die Pointe so abschliessen – eine Kraft, die man selbst durch Leistungsüberforderung nicht zerstören kann.

      Gunnar Heinsohn

      • Edgar Biehler

        Sehr geehrter Herr Prof. Heinsohn,
        sind diese Entwicklungen nicht ganz normal im Lebenszyklus einer gesättigten Wohlstandsgesellschaft? Dieser Verlauf ist m. E. so vorhersehbar wie die Tatsache, daß Weihnachten auch in diesem Jahr wieder auf den 25. Dezember fallen wird. Ein voller Bauch studiert eben nicht gern. Jegliches Instrument, eine kollektive Aufbruchstimmung und Leistungsbereitschaft zu erzeugen versagt in den westlichen Ländern nahezu vollständig (anderst in China). Welche Anreize haben die meisten jungen Leute denn noch? Wo sind die beruflichen und privaten Perspektiven? Wir leiden unter Wohlstand, er macht uns gleichgültig, weich und anschmiegsam, zugleich zerfrisst er uns und unsere Gesellschaft unbarmherzig von innen. Von aussen trügt der Schein solange, bis die Hülle in sich zusammen fällt. Weder Politik noch Unternehmen können das verhindern. Und erst dann, wenn wir am Boden liegen, werden wir wieder alles dafür tun, besser und schneller zu sein als die „Anderen“. Also, ein ganz normaler Zyklus, dessen Verlauf wir mit den zementierten Wertvorstellungen unserer Gesellschaft nicht verändern können. Manchmal helfen nur noch Katastrophen;-) Edgar Biehler

      • Hans A. Alber

        Herr Heinsohn hat recht, dieses Phaenomen kann man ueberall betrachten, wo Ostasiaten auf „Normalsterbliche“ treffen.

        Meiner Meinung nach liegt es an der kulturellen Praegung und der Tatsache dass Bildung und Leistung (oder deren Konsequenz, der Erfolg) einen sehr hohen Stellenwert in konfuzianistisch gepraegten Gesellschaften haben.

        Die Leistung und der Erfolg sind Ergebnisse der Forderung und der Foerderung, durch die Eltern und Lehrer.

        Ferner ist es ueblich, sich stetig mit anderen zu vergleichen und den Drang hat, besser zu sein, oder zumindest mithalten zu koennen. Die guten Schueler sind die „coolen“ Kids, nicht die Looser, die nur rumhaengen und „cool“ sein wollen (wie bei uns!).

        Werden die Kinder deshalb ueberfordert? Manche vielleicht – die meisten nicht. Wir trauen unseren Kindern vielleicht einfach zu wenig zu. Meine persoenliche Erfahrung in der Erziehung unserer Kinder, auch waehrend der Zeit in Asien, ist, dass Kinder leicht unterfordert und gelangweilt sind, dass es aber schwer ist, sie zu ueberfordern.
        Kinder koennen meist mehr, als wir Eltern Ihnen zutrauen, dies wissen die meisten Asiaten und legen deshalb die Latte sehr hoch.

        • F. Malik

          Danke für diesen Beitrag. Aus meiner Erfahrung stimme ich Ihnen zu. Menschen zu überfordern ist viel schwerer als die meisten glauben, weil Menschen viel mehr zu leisten imstande sind, als sie selbst es für möglich halten.
          Ende Januar kommt mein neues Buch auf den Markt: „Wenn Grenzen keine sind. Management und Bergsteigen“

      • David Ruprecht

        Sehr geehrte Herren Prof. Malik und Heinssohn,
        *
        Wissen tue ich es zwar nicht, aber ich habe eine Ahnung: Als ein bescheidener Kenner der japanischen Kultur (war schon zweimal dort, kenne einige Japaner in der Schweiz und bin der Sprache zumindest auf Anfängeniveau mächtig) ist mir eine Wertehaltung aufgefallen, die bei uns immer mehr in den Hintergrund tritt.
        *
        Diese Wertehaltung möchte ich etwas plakativ als GEMEINSINN bezeichnen. Damit wir uns richtig verstehen: Ich unterstelle keinem Europäer, kein Mitgefühl für den Nächsten zu haben; ich verstehe hierunter vielmehr das, was John F. Kennedy in seinem berühmten Zitat zum Ausdruck gebracht hat: „Don’t ask what your country can do for you – ask what YOU can do for your country!“. (Habe aus dem Gedächtnis zitiert)
        *
        Es geht also um den Leistungsgedanken, dass wir alle zuerst aussäen und dann ernten müssen.
        *
        Interessant ist auch das Buch „Battle Hymn of the Tiger Mom“ von Amy Chua. Auch wenn man ihre Erziehungsmethoden durchaus kritisch hinterfragen kann (und sicher auch sollte), so könnte man zumindest vermuten, dass ein Zusammenhang nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist…

        • F. Malik

          Diese Werthaltung ist sehr wichtig und auch typisch für Japen und auch für China. Wir werden diese bei uns mühsam zurückgewinnen müssen, nachdem nun 20 Jahre lang Egoismus als ultimative soziale Smartness bejubelt wurde.

          • CP Seichter

            ich glaube nicht, dass wir diese Werthaltung „zurückgewinnen“ müssen, sondern dass wir sie neu entdecken müssen. Das rationale Weltbild (und der Egoismus als Übertreibung davon) war eine notwendige Etappe in der evolutionären Entwicklung unserer Gesellschaft. Jetzt kommt wieder eine Wir-Stufe, allerdings mit anderem Verständnis. Während es früher eher von Autoritäten (Kirche, Staat, Familienoberhaupt) starr als einzig wahre Haltung vorgegeben war, ist es jetzt mehr durch Empathie und inneres Verstehen geprägt (Relativismus, Postmoderne). Das setzt die Kompetenzen Kontextsensibilität und Wertrelativismus voraus…

            • F. Malik

              Das kann man nun so oder so formulieren – jedoch war die Orientierung auf den Beitrag für das Ganze immer wichtig für ein funktionierendes Sozialgebilde. Und dieses Prinzip wird gültig bleiben, weil die Abweichung davon eben dieses Sozialgebilde zerstört. Aus welchen Quellen es gespeist wird, ist nicht unwichtig, aber auch nicht entscheidend. Ich selbst halte den Relativismus und die Postmoderne nicht für geeignet, aber davon unabhängig kann man dieses Prinzip immer anwenden.

      • Jürgen Clasen

        Sehr geehrter Herr Prof. Heinsohn, der kleine Unterschied dürfte Ihnen sehr wohl bekannt sein. Verstehe, wenn Sie sehr zurückhaltend formulieren, denn sehr schnell haben Ihnen die ignoranten Gutmenschen Nazimesser in den Rücken gesteckt. Solche Zurückhaltung brauche ich nicht zu üben. Selbst Mao konnte den Chinesen den Gleichheitsgedanken nicht überstülben. Bei IQ Messungen kommen hierzulande sehr unterschiedliche Ergebnisse zustande. Diese uneinheitliche Linie wird im allgemeinen akzeptiert. Die Menschen haben keine Einheitslinie ausgebildet, seit sie vor X tausend Jahren Afrika verlassen haben. Ein Asiate oder Südamerikaner sieht anders aus als der weiße Mann. Bezogen auf Begabungen, dürfte es genau so sein. Allerdings braucht man kein Mathegenie zu sein, um es zu etwas zu bringen. Nach meinen eigenen Erfahrungen kann Förderung sehr vieles ausgleichen: Töchter, beide Matheschwach. Diese Schulschei… kann einem echt das Familienleben versauen…Habe einen begabten Studenten engagiert. Die Ältere ging mit „Gut“ raus, die Jüngere mit „sehr gut“. Meine beste Investition! Letzt sich im öffentlichen Bereich nicht wiederholen, vom Einsatz und von den Mitteln her, auch wg. 100% Eltern.

        • fredmund.malik

          Antwort von Prof. Dr. Gunnar Heinsohn vom 06.01.2014:

          Obwohl viel Konsens darüber besteht, dass zwischen 60 und 80 Prozent der kognitiven Kompetenz bei Geburt schon vorliegen und deutliche Gruppendifferenzen existieren, kann doch bisher niemand unter dem Mikroskop solche Unterschiede zeigen. Deshalb tobt die Debatte „erworben-oder-angeboren?“ mit allem Recht weiter. Sie hat ja auch den Vorteil, dass immer wieder nach dem Stein der Weisen für optimale Förderung gesucht wird. Gleichwohl ist richtig, dass ich nicht zu den uebermaessig Hoffnungsvollen gehöre, dass er bald gefunden wird. Aber er ist den Schweiss aller Edlen wert.

          Gunnar Heinsohn

    • F. Malik

      Ihr Posting habe ich an Prof. Heinsohn weitergeleitet.
      Ich selbst kenne v. a. China nun seit Anfang der 2000er Jahre und habe dabei u.a. auch mit vielen Universitäten und dem Erziehungsministerium zu tun. Es wird zurecht viel vom Lern- und Leistungsdruck gesprochen, der nach unseren Massstäben enorm ist. Weniger gesprochen wird jedoch davon, dass China ohne den forcierten Aufbau seiner heutigen Wissensbasis seinen Aufstieg aus seiner damaligen Rückständigkeit in nur knapp 40 Jahren niemals hätte schaffen können.

      Allerdings liegt der Schwerpunkt noch immer auf dem Auswendiglernen. Das führt zu zwei Problemen, die die Politik als grosse Herausforderung erkannt hat: a) Mangel an Verständnis und b) Mangel an Anwendungsfähigkeit.

      Wissen allein ist erst eine Ressource. Diese muss umgewandelt werden in Resultate, sonst liegt das Wissen brach. Diese Umwandlung ist wie bei allen Ressourcen eine Frage von effektivem Management und dazu gehören wirksame Arbeits- und Anwendungsmethoden. Es ist der Weg vom Wissen zum Können.
      Nachdem im Jahre 2011 eine Delegation von Präsidenten hochrangiger Universitäten für 2 Wochen an meinem Zentrum in St. Gallen war, um sich in richtigem Management für genau diesen Zweck instruieren zu lassen, wurde nun bereits das erste Malik Zentrum für effektives Management an einer der grossen chinesischen Universitäten eröffnet. Weitere sind in Planung.
      Ziel ist es, dadurch die Anwendungsfähigkeit zu vervielfachen. Dies wird es in absehbarer Zeit für die nächsten Studenten- und auch Schülergenerationen erlauben, mit weniger Stress weit effektiver zu lernen.

      • David Ruprecht

        Sehr geehrter Herr Prof. Malik,
        Erst mal wünsche ich Ihnen und allen in Forum einen guten Start ins 2014.
        Ihre Aussage bezüglich „wissen in können umwandeln“ kann ich nur unterstützen. Ich denke, dass gerade das Erfolgsmodell „Schweizerische Berufslehre“ hier europaweit Schule machen sollte.
        Meine Erfahrung ist, dass amerikanische und chinesische Akademiker, insbesondere diejenigen von Elite-Unis, mit der Schweizer Elite mindestens locker mithalten können (Ausnahme: amerikanische MBA-Absolventen, doch das ist ein anderes Thema).
        Anders sieht es bei der Berufslehre aus: Hier haben wir mit unserem dualistischen System weltweit die Nase weit vorne – und ich bin überzeugt, dass dies einer der entscheidenden Faktoren ist, weshalb die Schweiz auch trotz des starken Frankens international immer noch vergleichsweise gut dasteht – gute Qualität hat Ihren Preis, und dass wissen die intelligenten Leute, besonders auch in China (dort ist meiner Erfahrung zufolge SWISS MADE das Qualitätsmerkmal schlechthin!)
        Wie wäre es z. B. mit einer „dualistischen Management-Berufslehre“ – die Malik-Ansätze verbunden mit einer praktischen Tätigkeit in einem Unternehmen…?

        • Jürgen Klaus

          Einen dualen Studiengang Management – ist genau das was ich seit drei Jahren vergebens suche.
          Die Zeit läuft ab M(m)an wird älter und so wird es wohl ein anderer werden müssen. Leider

        • F. Malik

          Ich stimme Ihnen zu. Die duale Berufslehre ist weit überlegen. Viele unserer Educationprogramme sind nach diesem Prinzip aufgebaut. Dafür habe ich unter anderem das Buch „Führen Leisten Leben“ geschrieben und darin die Idee von Management als Beruf entwickelt und ausgearbeitet. Management definiere ich dort als Beruf der Wirksamkeit.

  4. Reto Schneiter

    Ich möchte hier einen Punkt ergänzen – „Do Things Right“ (viele Stellen in dieser Seite). Für mich ist das einer der wertvollsten Statements, die ich bis jetzt gehört und gelesen habe. Dieses Prinzip, ehrlich gelebt, kann die Kraft erzeugen, sich auf den Punkt zu konzentrieren, an dem es passiert: jetzt als Reaktion, in ein-zwei Jahren (Taktik) oder darüber als Strategie. Wenn man aus einem aufstrebenden Kontext kommt, kann das Büffeln wichtig und richtig sein, weil es für einem selber richtig ist. Wenn ich einer kranken Person die Hand halte, weil sie traurig ist, dann ist das jetzt richtig. Meiner Meinung nach gibt es für verschiedene Rollen in Gesellschaften Aufgaben, die diese RICHTIG zu machen haben: und zwar nicht aus ihrer persönlichen Sicht, sondern aus Sicht ihrer Empfänger oder weil NICHT RICHTIG einfach GEFAERHLICH werden kann. Wenn es dazu Mathe, Sprachen, IQ und Schulkenntisse braucht, dann ist das auch OK. Wichtig ist, dass Effekte entstehen, die sitzen und nachschwingen können. Wenn Projektmitarbeiter mit dem was erzeugt wurde, am liebsten selber Leben und/oder Arbeiten möchten, dann haben sie es ev. richtig gemacht, Effekte stimmen, der echte Lernprozess beginnt.

    • CP Seichter

      Hallo Hr. Schnelter, ich glaube von Peter Drucker kommt die Aussage, dass es wichtiger ist, die richtigen Dinge zu tun, als die Dinge richtig zu tun, wie Sie hier hervorheben. Also der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz. In Unternehmen erlebe ich immer wieder, dass aller Fokus auf Effizienz (ihr „Do Things Right“) liegt und dabei viele Arbeitsstunden sinnlos verpuffen, weil eben das Falsche gemacht wird. Ich kann perfekt Mitarbeiter abbauen und am Ende dennoch pleite gehen. Oder mit den besten Trainingsmethoden inhaltlichen Unsinn vermitteln. Was genau meinen Sie in Ihrem Posting mit „richtig“? Geht es mehr um Sinn oder um die Bevorzugung systemischer Ziele vor den individuellen?

      • F. Malik

        Es ist richtig, dass der 2005 verstorbene Peter F. Drucker den Unterschied klar gemacht hat. Wörtlich:
        Effectiveness means doing the right things; efficiency means doing things right. Dies hat er schon in den 1950er Jahren geschrieben.

        • Ert

          Das schreibt Drucker u.a. schon auf Seite 2 von „Effective Executive“ – ein sehr klares und dichtes Buch.

          So war mir die Ausprägung von Menschen bzw. ‚Listener‘ und ‚Reader‘ in Bezug zum optimaler Kanal der Informationsaufnahme gar nicht so bewust. Aber ‚mal reflektiert‘ ist es wirklich so, das ich manche Personen nur auf der auditiven Schiene mit Geschichten und andere eher mit Fakten und Informationen auf Folien oder Papier erreichen kann.

          Ggf. liegt hier auch ein großes Defizit unseres Bildungssystem – das die verschiedenen Medien gar nicht effektiv einsetzt und die verschiedenen Kanäle der individuellen Menschen (Schüler) komplett über einen Kamm schert – und so viel Potential verschwendet, also nicht effizient ist. (Puhh… ich hoffe das war jetzt richtig 😉

          • F. Malik

            Sie haben ganz Recht. Das Schulsystem – übrigens in so gut wie allen Ländern – baut noch immer und weiterhin auf der unausgesprochenen Prämisse auf, dass Menschen auf die gleiche Weise lernen. Daher sind von der ersten Primarschulklasse bis an die Universität im Wesentlichen die Unterrichtsmethoden für Schüler eines Jahrgangs gleich. Und auch im Management-Training in Wirtschaftsunternehmen wird dieselbe Prämisse weitergeführt.

            Aufgrund meiner fast 40 Jahre Lehrtätigkeit unter anderem für Studenten an Universitäten und als Lehrer für erwachsene und erfahrene Führungskräfte aller Stufen bis hin zu Meistern in der Produktion und Forschern in der Pharmaindustrie weiss ich, dass kaum zwei Menschen gleich lernen und gleich arbeiten. Allerdings sind die meisten auf dieselbe Weise effektiv.

            Darin liegt kein Widerspruch, sondern eine der wichtigsten Einsichten für die Produktivitätssteigerung des Lernens, was für die Wissensgesellschaft etwas vom Wichtigsten ist. Zum Glück erkannte ich das schon früh genug, um meine Lehrmethodik darauf ausrichten zu können.

            • Ert

              Sehr geehrter Herr Mailk,

              sie schrieben: „Allerdings sind die meisten auf dieselbe Weise effektiv.“

              Könnten Sie mir ein Beispiel geben, was Sie damit genau meinen? bzw. wie Sie das für die Wissensvermittlung nutzen?

              • F. Malik

                Ineffektive Menschen können z B. mit ihrer Zeit nicht umgehen; sie können nur schwer eine Ordnung in ihre Angelegenheiten und Unterlagen bringen oder diese einhalten; sie schreiben ihre Pendenzen nicht auf; und bereiten sich auf Gespräche und Sitzungen nicht vor, sondern improvisieren.
                Sie schauen auf das, was die Menschen in ihrer Umgebung einschliessslich ihnen selbst nicht können, statt auf deren Stärken. Sie können nicht Nein sagen und neigen zur Verzettelung, statt sich auf einige wenige Dinge zu konzentrieren. Das sind einige der häufigen generellen Gründe für Ineffektivität.

  5. Max Gmür

    Aus meiner subjektiven Erfahrung kann ich berichten, dass der Leistungsdruck in den USA im Kindergarten relativ hoch ist und anschliessend kontinuierlich abnimmt. Gründe? Wohlstandsverwahrlosung? Finanziell machten mir die öffentlichen Schulen in den USA einen eher erbärmlichen Eindruck (Infrastruktur, Löhne). Wohl weil das Bildungsbudget im Wasserkopf verpufft und nur wenig an die Basis gelangt (Malik Tools!)

    In der Schweiz beginnt der Einstieg im Kindergarten relativ „sanft“. Anschliessend steigen die Anforderungen kontinuierlich an. In der Berufslehre im Alter von 16 bis 20 Jahren sind dann die Anforderungen an Leistung, Durchhaltewillen und Verantwortung sehr hoch. Resultat sind u.a. eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit und hohe Anfangslöhne für Lehrabgänger.

    Betreffend PISA: wie beim Unternehmensgewinn darf man auch hier Input (Zweck) nicht mit Output (Resultat) verwechseln.

    • Algovia

      Hallo Herr Clasen, ich denke das ist der Lauf der Dinge und mehr als gerecht. Wer viel leistet und ehrgeizig mit Zielen durchs Leben geht, sollte auch belohnt werden, unabhängig von der Intelligenz.

      • Jürgen Clasen

        @Algovia, Sie haben völlig recht. Menschen die irgendwelche
        Diffentialgleichungen höherer Ordnung beherrschen sind meist
        nicht sonderlich praktisch veranlagt. Da haben wir ergänzend
        unseren Meister, der nun wirklich nicht doof ist und beispiels-weise eine komplette Heizungsanlage installiert usw. Beides gehört zusammen, ist komplimentär. Ein Koch kann es zu einem
        Restaurant bringen usw usw. Handwerk hat nach wie vor goldenen
        Boden. Wenn alle nur noch Bürohengste werden, ist der Handwerker
        unter den Blinden der Einäugige.

  6. Reto Schneiter

    Guten Tag Seichter: Für mich gehören Effizient und Effektivität zusammen. Mit einem effizienten Prozess etwas vom Kunden / der Umwelt gefordertes zu erreichen ist smart. Mit einem effizienten Prozess meine Denke zu verwirklichen mit dem Ziel reich zu werden, kann daneben gehen und ich werde u.U. nur darum reicher, weil die anderen ärmer werden. Wenn ein effizienter Prozess die Effekte an seinem Ausgang laufend auf Richtigkeit überprüft – vielleicht dabei sogar mitlernt – können meiner Meinung nach die Muliblikationseffekte erzeugt werden, die Prof. Malik immer wieder erwähnt. Mich hatten die Faktoren immer wieder überrascht. Ich glaube aber aufgrund von Beobachtungen, dass bei der richtigen Gewichtung von ‚richtig‘ und einem sorgfältigen Problem und Change Management, eigentliche Boost entstehen können. Dazu braucht es junges/neues Wissen und meiner Meinung nach nicht selten viel Erfahrung, Geduld und Respekt. Auf Ihre Frage zurück: für mich ist ‚wir verstehen und tun‘ wichtiger als ‚ich weiss und mache‘.

  7. Jürgen Clasen

    Interessante Beiträge zum Thema:

    Pisa-Spitzenreiter: Das Geheimnis von Asiens Mathe-Genies

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/pisa-studie-2013-mathematik-erfolgsgeheimnis-asiatischer-schueler-a-935718.html

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/dokumentarfilm-alphabet-von-wagenhofer-so-leiden-die-erfolgreichen-a-929503.html

    Altes gilt nach wie vor: Übung macht den Meister…
    Andererseits frage ich mich, aus eigener Erfahrung und den jüngeren Schulzeiten meiner Kinder, wie sinnvoll ist dieser Mathewahnsinn, das man
    möglichst alle mit Matheanforderungen traktiert, die völlig am Leben vorbei
    gehen. Als Ing. habe das gerade noch geschafft, aber in der Praxis nie, nie
    nie eine Aufgabe übernommen, die mit dieser Mathematik zu lösen war oder auch nur besser zu lösen war. Aber alle werden durch diesen Flaschenhals getrieben. Eine Manie, ähnlich wie beim Euro, bei der auch die schwachen Länder sich freiwillig kasteien und mehr schaden nehmen, als Nutzen zu generieren. Es gilt ein System zu finden, das ein idealen Förderraum für Mathebegabte bietet und ansonsten Erdung zu den tatsächlichen An-forderungen eines anspruchsvollen Berufslebens behält.

  8. Max Gmür

    Allenfalls eine inspirierende Quelle für anregende Diskussionen hier im Forum:
    http://youtu.be/GInqHl8MnIU