„Den Schwachen nicht helfen, aber die Starken schwächen: Fortgang der Nullzinspolitik“ von Prof. Dr. Gunnar Heinsohn

fredmund.malik am Freitag, 11.04.2014 um 13:06 Uhr
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Prof. Dr. Gunnar Heinsohn schreibt am 10.04.2014 in seinem neuen Artikel:

„Zentralbank-Nullzins gibt es bekanntlich nur für Geschäftsbanken. Er kann Firmen und ihren Geldlohnbeziehern nicht direkt helfen, weil sie keinen Zugang zum Zentralbanktresen haben. Selbst wenn Geschäftsbanken aufgrund des Nullzinses ihren eigenen Ausleihzins senken, bringt das keinerlei Vorteil für Firmen, die ihre Verschuldungsfähigkeit durch crashbedingten Fall ihres Firmenpreises verloren haben. Ohne frisches Kollateral bekommen sie keinen Kredit. Stattdessen erhalten sie schlechte Rankings für ihre Kreditwürdigkeit, so dass sie auch keine Anleihen begeben können. Solche Unternehmen können sich nur noch doch erfolgreiche Umstrukturierung und/oder Innovation retten, die sie aus dem Cashflow bezahlen. Scheitert das Umkrempeln der Betriebe, gehen sie unter. Niemand – weder Regierung noch Zentralbank noch Geschäftsbank – kann ihnen Eigentum für die Besicherung eines neuen Kredits übertragen.“

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5 Kommentare

  1. Stefan Ludwig

    Das ist eine Beschreibung was gemacht wird und eine Erklärung warum es nicht funktioniert. Was muss wie geändert werden damit die Krisenbewältigung wenigstens begonnen werden kann?

    Mit freundlichen Grüßen

    Stefan Ludwig

    • Gunnar Heinsohn

      In ZAHLTAG (http://www.schweizermonat.ch/artikel/making-of-1015; leider nicht kostenlos) wird ein solches Beginnen einmal beschrieben, Gunnar Heinsohn

      • Andreas Käser

        Ich habe Ihren Artikel in Zahltag aufmerksam gelesen, und darin unter anderem auch mehrere Hinweise darauf gefunden, dass ausgeliehenes Geld (sei es von Geschäftsbanken an Kunden ausgeliehen, oder von der Zentralbank an Geschäftsbanken ausgeliehen) stets mit Pfand besichert sein muss, was darauf hindeutet, dass ein Risiko entschädigt werden muss. In der gleichen Publikation, in der ihr Artikel erscheint, lässt sich aber auch nachlesen (Mythos, Die Bank, das Sparsäuli), dass die Geschäftsbanken nicht bei der Zentralbank Geld ausleihen, um es dann an die Kunden zu verleihen, sondern dass sie vielmehr durch einen Buchungssatz Geld aus dem Nichts schöpfen, und zwar risikolos, wie dies auch Prof. Franz Hörmann aus Wien nahelegt. Gehe ich richtig in der Annahme, dass es zur Zeit keine wissenschaftliche Autorität gibt, welche die Geldschöpfung widerspruchslos erklären könnte? Haben wir es mit einer komplexen Thematik zu tun, die auch durch Experten nicht mehr vermittelbar ist?

        • Gunnar Heinsohn

          „Geld aus dem Nichts“ wird gerne als Weisheit verkündet. Aber, lieber Herr Käser, schicken Sie einmal einen vollmündigen Bettler in eine Bank, damit die für ihn aus „einem Buchungssatz“ Geld schöpft. Es wird scheitern, weil die Bank die Haftungsfähigkeit dieses vielversprechenden Neukunden vermisst und ihn deshalb vor die Tür setzt.
          Auch dort also, wo Kollateral nicht spezifiziert ist (Grundstück, Juwelen etc.), setzt beim Einräumen von Kredit automatisch Belastung von Kollateral ein. Nur zwischen belastungsfähigen Eigentümern funktioniert deshalb Kreditschöpfung – und das selbstverständlich ohne Zentralbank.
          Schon im Rom des 1. Jhs. u.Z. tragen verschuldungsfähige Bürger ein Kontoheft mit sich (codex accepti et expensi). In das Heft des Gläubigers signiert der Schuldner den ihm eingeräumten Zahlungsspielraum. Und dieses Eingeständnis reicht vor Gericht nicht schlechter als ein formaler Kreditkontrakt zwischen Bank und Kreditnehmer für das Betreiben einer Vollstreckung in das Eigentum nichttilgender Schuldner.
          Obwohl Eigentum – im Unterschied zum Besitz – ganz ohne physische Materialität daherkommt, ist es kein Nichts, sondern die Essenz für die Kreditschöpfung. Gunnar Heinsohn

  2. Ert

    Sehr geehrter Herr Heinsohn,

    vielen Dank für diesen exzellenten Einblick.

    Meine Frage an Sie und Herrn Malik: Ist dies u.a. der Grund dafür das a) die US-Unternehmensgewinne in Q4/2013 auf einem Allzeithoch sind? und b) so viele Unternehmen aktuell Aktien zurückkaufen anstatt zu investieren?

    Würde das nicht auch bedeuten, das wenn der Absatz der Unternehmen stagniert – mal ganz abgesehen von Innovationen der Mitbewerber – das dann c) die aktuellen Gewinne die aktuelle Lage verdecken? und d) bei einer Anhebung der ZB-Zinsen sehr schnell verpuffen – weil Sie nicht auf einer nachhaltigen Basis stehen?