Wahlergebnis ist Folge des US-Shareholder Values

F. Malik am Mittwoch, 09.11.2016 um 12:13 Uhr
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Das US-Wahlergebnis ist zu einem dominierenden Anteil eine direkte Langzeitfolge der Irrlehre vom Shareholder-Value.

Ab Mitte der 1990er Jahre hat diese Irrlehre und die darauf beruhenden Unternehmens-Strategien zu einer systematischen De-Industrialisierung der USA geführt.  Die Wirtschaft mutierte zu einer Geldwirtschaft, selbst für Silicon Valley würde ich das zu einem Teil so sehen. Die Anfälligkeit für Finanzkrisen nahm systematisch und immer schneller zu. Die Einkommensschere wurde immer grösser etc. etc.

Die Verbreitung dieser Irrlehren lief über die Business Schools, Consultants, Bonus-Experten, Wirtschaftsprüfer, Medien etc. Mehr dazu in meinen Büchern. Da standen nur gute Absichten dahinter, die dieser Lehre noch zusätzliches Momentum gaben. Denn man glaubte ja, nun das Geheimnis der Ökonomie entdeckt zu haben, durch das alle reich werden.

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21 Kommentare

  1. Bert Raeymaekers

    Hallo Herr Professor Malik, ich erinnere mich noch sehr gut an Ihrer Vorhersage aus 2015 Juli: Die Deflation frisst sich durch die Wirtschaft mit als Folge Verrohung und Verrottung der Gesellschaft. Wir haben nun, auch die Situation in der EU betrachtend, nicht mehr viel Zeit für große, methodische Änderungen. Und die meisten Politiker können heute nur gelähmt zuschauen, ohne Konzept, wie der Boden unter den eigenen Füßen zerbröselt.

  2. Stefan Ludwig

    Sehr geehrter Herr Malik,

    zu diesem Kommentar finde ich jetzt deutliche Worte. Für mich klingt das wie Werbung für ihre Methoden. Das ist mir zu wenig! An anderer Stelle kann man bei ihnen überall lesen dass die Welt komplex ist. Davon steht nichts in diesem Kommentar. Ich halte sowohl die Erklärungen als auch die Vorschläge um die Probleme zu lösen die Trump gegeben hat für grundlegend falsch. Aber er HAT Erklärungen und Vorschläge gegeben die offenbar viele Menschen nachvollziehen konnten. Ich bin der Ansicht es liegt genau daran das die Eliten glauben „wenn wir unsere Methoden anwenden (und sie NICHT erklären dann wird es wieder gut)“ Herrschafftszeiten! Wann verstehen „die da oben“ endlich dass man es für Lieschen Müller NACHVOLLZIEHBAR machen muss! DAS wäre doch mal eine wirklich herausfordernde Syntegration:

    „Wie schaffen wir es
    1.) 90% d. Bevölk. verständlich zu machen warum die Welt heute so ist wie sie ist
    2.) für 90% der Bevölkerung NACHVOLLZIEHBAR zu machen warum Kybernetik eine zentr. Bedeut. f.d. Lösung der Menschheitsprobleme hat.

    Wenn Sie der Meinung sind, dass ich mit meinem Ansatz falsch liege dann schreiben Sie wenigstens eine ausführliche Begründung warum

    • F. Malik

      Lieber Herr Ludwig, ich bin nicht sicher, ob ich Sie richtig verstehe.
      Sie finden meine Erklärung falsch, warum Trump gewonnen hat. Es fehlt Ihnen darin der Hinweis auf die Komplexität. Ich wiederhole meine Position: Die Verwahrlosung und partielle Verarmung mit allen ihren Auswirkungen auf die Situation der Menschen in grossen Teilen der USA hat die Wahl Trumps möglich gemacht. Und ich sage: Dies ist die Folge der Shareholder getriebenen Wirtschaft, die zur De-Industrialisierung Amerikas geführt hat. Das ist ein extrem komplexer Vorgang, der sich aber dennoch klar darlegen lässt, ohne die Komplexität als solche erwähnen zu müssen. Eine Werbung für meine Methoden kann ich darin nicht erkennen.
      Dass Trump die heutige Situation für die Leute trefflich auf seine Weise „erklärt“ hat, ist richtig, und passt mit meiner Erklärung gut zusammen. Syntegrationen zu Ihren beiden Fragen wären sicher ergiebig. Mit wem soll man sie durchführen?
      Von heute bis Sonntag findet aus Anlass des Churchill Jahres in Zürich unsere Syntegration zur Zukunft Europas mit 65 jungen Europäern statt.

      • Jürgen Clasen

        An den Ergebnissen dieser Syntegration bin ich brennend interessiert!!! Massnahmekatalog etc. Ich bin sehr gespannt, ob
        man zu anderen, von mir nicht bedachten Lösungen und Erkenntnissen
        kommt. Sind es nur wünschenswerte Lösungen oder haben sie eine echte Chance zur Realisierung? Ich teile Ihnen dann gerne einen ehrlichen Vergleich mit meiner Denke mit.

        • F. Malik

          Lieber Herr Clasen, sobald wir mit unserem Bericht fertig sind, werde ich einige Kommentare hierzu schreiben.

  3. Jürgen Clasen

    (I)
    Peter, gerne erinnere ich mich an die Gespräche, die wir vor langer Zeit, auf unseren Wanderungen geführt haben. Damals war ich schon der Meinung, das sich die rasche Globalisierung noch sehr negativ auf uns auswirken wird. Es werden mit einem Schlag die niedrigsten Löhne, die niedrigsten Sozial- und Umweltstandards in unsere westlichen Industriestaaten ge-worfen. Als Folge, sah ich, die rasche Auslagerung unserer Textil, Foto- und Radio/Fernsehindustrie in die asiatischen Länder. Kurzfristig be-scherte uns das billige Produkte, aber langfristig, verlorene wertvolle Arbeitsplätze und damit letztlich teuer erkaufte Ware. Dabei waren wir ja dort traditionell führend in diesen Sektoren. Ich war der Meinung, wir sollten mit allen Mitteln versuchen unsere Fähigkeiten zu bewahren und den kurzfristigen Gewinnen widerstehen, statt hemmungslos auszulagern. Die Amis haben es aber rein kapitalistisch gehandhabt. Alles raus, was draußen günstiger zu produzieren ist. Genau diese Entwicklung hat uns jetzt Trump beschert. Nun, ich würde sagen, ich habe es auch vorhergesehen, an Eurer Geburtstagsfeier, als ich mit Dir darüber sprach, bei allen Prognosen zur Wahl, werden diese Loser vergessen.

    • Johann Schwarting

      Sehr geehrter Herr Clasen,

      ist die Globalisierung ein schicksalhafter historischer Prozess?

      Caesar hat die Eroberung Galliens nicht durchgeführt, um die Werte der römischen Zivilisation zu verbreiten, sondern um die Haftungsräume zur Besicherung der eigenen Verschuldung zu erweitern – vermutetes keltisches Gold sollte als Schuldentilgungsmittel abgefordert werden. Die Abgaben zur Staatsfinanzierung werden externalisiert.

      Nach dem WKII sind die USA zu einer imperialen Ordnung aufgestiegen, die sich global ausgerichtet hat. Wie wird sie finanziert? Globalisierung bedeutet, dass die Bedienung der Schulden der Staates und seiner untergeordneten Ökonomien als Abgabe auch externalisiert wird durch imperiale Expansion. Das amerikanische Militär, das zur Besicherung der globalen Einflusszonen mit dem Dollar als Leitwährung in den dortigen Ökonomien dient, kostet das Doppelte aller übrigen NATO-Staaten zusammen. Durch Macht=Geld=Dollar werden tributäre Abhängigkeiten geschaffen. Die Irrlehre vom ‘Shareholder-Value‘ markiert gleichzeitig den Höhepunkt und den Beginn des Niedergangs des Imperiums.

      Wie geht es mit der Finanzierung der Staaten und Ökonomien weiter?

      MfG JS

      • Jürgen Clasen

        Mein Rat, bleibt unverändert. Machen Sie sich in Ihrem Job/ Gewerbe unentbehrlich durch höchste Qualifikation und Fertigkeiten. Legen sie sich finanzielle Reserven zu. Dabei bleibe ich bei meiner Grundempfehlung, Aktien mit Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (Garantiedividende). Seit mehr als 30 Jahren hat sich das in meinem s.g.“Schwiegermutterdepot“ absolut bewährt. Dazu habe ich beim letzten Zwischentief 2% Silber Maple Leaf beigemischt.

      • Jürgen Clasen

        Zunächst wahrscheinlich mit einer neuen Wahlüberraschung in Italien am 4. Dez.
        Alles was ich in meinem Kopf so durchspiele, ergibt keine guten Aussichten. Das ist schon seit langer Zeit so.
        Wie soll Trump an das viele Geld kommen, um seine Vorhaben
        zu verwirklichen? Schutzgelderpressungen für den Atomschirm?
        Das System wird auf jeden Fall herunterkommen. Die Notenbanken
        konnten das Spiel immer wieder verlängern. Die Zeitschiene läuft
        über Tage bis Jahre. Früher haben Gold und Silber Grenzen gesetzt.
        Bislang ausnahmslos.

      • F. Malik

        Mit Deflation.

        • Walter Huber

          DIE WELT VERTRUMPT.

          Das ist keine Kritik, sondern eine sachliche Tatsache. Und sie vertrumpte schon vor diesem neuen Präsidenten. Nettigkeit und Harmoniesuche und die brave Oberschicht und Führungselite nähern sich ihrem Ende. Derweil, die Entwicklungen sind seit fast einem Jahrzehnt erkennbar. Microsoft, Apple, Google, Youtube und Facebook haben die neue Zeit eingeläutet. Die sogenannten sozialen Medien sind mächtig geworden. Menschen, die das aussprechen was sich „das Volk denkt“ kommen immer mehr an die Macht, manche nennen es Populismus. Die Medien sind Show-Bühnen ohne jegliche Ethik und Moral geworden. Nachrichten werden zur permanenten Reality-Show. Harmoniesucht und es „einem jeden recht machen wollen“ funktionieren nicht mehr. Die Spaltung der Gesellschaft schreitet voran. Und ja, die Deflation trägt leider dazu bei. Und die Finanzmächte und Großkonzerne machen einfach weiter. Sehe noch immer kein Ende dieser Entwicklung. Trotz aller System-Empfehlungen. Dazu noch die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Informierten und Nicht-Informierten. Und Marktforscher die ebenfalls den „Draht zum Volk und Kunden“ verloren haben. Wir werden 2017 noch viele Überraschungen erleben.

          • Wolfgang Pfeifenberger

            Donald Trump scheint aufgrund seines kurzen und prägnanten Namens zur Verb-Bildung anzuregen. Ein Freund von mir und ich haben „trumpen“ als ein psychologisches Phänomen definiert, bei dem in einer Art Kurzzeitverdrängungsprozess viele negative Eindrücke in ihrer Wertigkeit herabgemindert werden. Das Rennen machen hochgespannte Erwartungen, die aufgrund vorangegangener Frustrationen überwertig werden. Zusammenfassend: Erwartung schlägt den Augenschein.

  4. Jürgen Clasen

    II
    „07:55 | ET: Kosten der Flüchtlingskrise – Eine Hochrechnung kommt auf 43,1 Mrd. Euro für 2017
    http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/kosten-der-fluechtlingskrise-eine-hochrechnung-kommt-auf-431-mrd-euro-fuer-2017-a1969884.html
    Es gibt kaum konkrete Zahlen über die Kosten der Flüchtlingskrise. Eine Hochrechnung kommt für 2017 auf 43,1 Mrd. Euro (14,4 % der Staats-ausgaben). Das ist etwa so viel wie der Gesundheitsetat und die Ausgaben des Familien- und des Verkehrsministeriums zusammen. Prof. Raffelhüschen rechnet sogar mit 75 Mrd Euro pro Jahr (bei einer Million Flüchtlingen) – das entspricht 25,07 % aller Staatsausgaben Deutschlands.“
    Das wird Deutschland auf längere Sicht niemals durchhalten können! Unsere Infrastruktur ist schon völlig auf den Hund gekommen. Migranten, denen sofort erzählt wird, was sie hierzulande, ohne jede Arbeit, alles an Ansprüchen stellen können, ohne Rücksicht auf die Leute, die Tag für Tag um 6 Uhr aufstehen und bei Dunkelheit nach Hause kommen und die ganze Knete erwirtschaften müssen. Diese stehen unter einem ähnlichen Druck wie die Amis. Unser „Trump“ ist nicht schon geboren, sondern steht bald vor unserer Tür, die er nur noch aufstoßen muss

  5. Jürgen Clasen

    Stelter strategisch; Brexit, Trump, Le Pen – die Folgen der Eiszeit
    http://www.wiwo.de/politik/ausland/us-wahlen/stelter-strategisch-medizin-wirkt-nicht/14818402-2.html
    „Aus Sicht der Geldanlage bedeutet dies wohl (deutlich) höhere Inflation in den USA sowie Rezession und deflationärer Druck in Europa mit wieder aufflammender Eurokrise.“
    Für mich ist eine solches seitenverkehrtes Scenario USA/EU eher nicht wahrscheinlich. Mit einer Inflation kommt der Anleihemarkt herunter. Die 2% Inflationsziele waren mir in dieser Hinsicht immer suspekt. Auch die in $ notierten Ölpreise fallen und drücken die Preise weltweit.

  6. Wolfgang Pfeifenberger

    Shareholder Value öffnet Manipulation Tür und Tor. Alle, wie auch immer gearteten manipulativen Systeme sind aber kybernetisch betrachtet, positiv rückgekoppelte Systeme, wo Ausgangswerte und Zielwerte zirkulär verknüpft werden. Daher diese kakophone Meinungsflut in der Finanzwelt, wo jeder versucht seine eigene self fullfilling prophecy gewinnbringend zu platzieren. In solch einem Szenario verhallen alle Appelle, „die legitimen Interessen aller Stakeholder in fairer und ausgeglichener Weise zu berücksichtigen“. Musik kommt schließlich auch erst aus den Lautsprechern, wenn die Rückkopplung beseitigt ist.

  7. Adam Smith

    Der Gedanke des Shareholder-Value hat mit der De-Industrialisierung der USA und dem Wahlsieg von Donald Trump nichts zu tun: in allen Staaten der westlichen Welt stellen sich Unternehmen vergleichbar wie ihre Pendants in den USA auf: Produktentwicklung und anspruchsvolle Fertigung im Westen, Massenproduktion von einfachen Erzeugnissen bevorzugt in Asien.

    Das spezielle Problem der USA ist, bisher keine befriedigende Lösung auf die sozialen Folgen dieser Entwicklung gefunden zu haben. So wäre es möglich, das international höchste Verteidigungsbudget zu reduzieren zu Gunsten einer Arbeitsmarktpolitik mit Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten von Modernisierungsverlieren. Ähnlich, wie es in Europa geschieht.

    Ferner die staatliche Förderung von Zukunftsindustrien vergleichbar wie in China.

    Der größte Fehler im Rahmen des Shareholder Value Gedankens ist die finanzielle Optimierung von (meist US-)Unternehmen mit dem aktuellen Billiggeld. Nur zur Verbesserung von Finanzkennzahlen werden durch Aktienrückkäufe und überteuerte Übernahmen Milliardenschulden mit teilweise 30 jähriger Laufzeit angehäuft, deren spätere Rückzahlung im Rahmen des raschen technischen Wandels völlig ungewiß ist

    • F. Malik

      Was Sie beschreiben, sind Begleiterscheinungen des SHV. Dieser ist die Hauptursache. Das Ziel von Unternehmen muss es sein, zufriedene Kunden zu schaffen. Nur dieser Fokus führt zu richtigem und unternehmerischem Handeln.

      Gerade dadurch gibt es die besten Gewinne, wie u. a. in Deutschland zu sehen ist. Damit werden die Gewinne deutlich besser als bei SHV-geführten Firmen. Das geht auch bei börsennotierten Unternehmen.

      • Kai

        Problemorientierung sollte eigentlich immer an erster Stelle stehen.

        Ich sehe das Problem weniger bei den Unternehmen. Sie werden sich der neuen Welt schnell genug anpassen oder verschwinden und anderen Platz machen.
        Bei vielen hat dieser Wandel schon spürbar begonnen und es werden immer mehr. Dies wird die Deflation weiter verstärken.

        Das größere Problem sehe ich in den staatlichen Organisationen, welche häufig nicht problemorientiert handeln. Sie lähmen damit die Wirtschaft in einem so erheblichen Maße, dass die fast grenzenlosen, heutzutage noch unvorstellbaren Erfolgspotenziale unserer Gesellschaften weltweit nicht ansatzweise erreicht werden. Stagnation lässt grüßen.

        Sie werden dies solange tun, bis Ihnen das Geld ausgeht oder Sie die komplette Kontrolle verlieren. Hoffen wir das dies nicht passiert…

        Unabhängig davon würde mich interessieren in welchem Teil des Viable system model Sie die Medien/Journalismus einordnen?

        • F. Malik

          Es kommt auf die Betrachtungsweise an, also darauf, was wir als das „system in focus“ bezeichnen.

          Für die meisten Systeme sind die Medien Elemente in ihrer Umwelt bzw. ihren Umwelten. Für die Medienorganisationen selbst ist es ebenso, was ihre Konkurrenten betrifft, und für eine einzelne Medienorganisation sind es ihre Systeme 1 – 5, wie bei jeder anderen Organisation.

  8. Jürgen Clasen

    Donald Trump hat eine echte Chance das Blatt zu wenden. Er müsste nur
    meinen Anweisungen folgen…Steuersenkungen gibt es für Unternehmen, die in den USA investieren. Sie haben damit die Möglichkeit entweder Steuern zu bezahlen oder für sich für dieses Produktionsvermögen zu schaffen. Sie werden investieren! Parallel holt er sich das von den Asiaten (Mexico)
    „Gestohlene“! zurück. Entweder sie bringen Produktion in großem Ausmaß in die USA zurück, oder sie werden durch Handelsbarrieren/Zoll geschrumpft. Auch sie werden den zweiten Weg gehen. Insbesondere Asien muss klein beigeben oder wir kriegen globalen Handelskrieg bei dem alle verlieren. Ist auch egal, auf mich hört eh keiner…..